Kräuter-Wanderung: Tag der Artenvielfalt

  

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Beim Aufschreiben der ganzen Arten fällt mir auf, dass sich hier viele der typischen gelb-weissen Korbblütler tummeln. Eine gute Gelegenheit, sie mal vergleichend zu betrachten.

Da ist zuallererst einmal die echte Kamille mit ihrer grossen Heilkraft.

Erkennbar an ihrem würzigen Wohlgeruch und an den hochgewölbten Blütenköpfchen.

Wenn man die Blüten aufschneidet, sieht man, dass sie innen hohl sind.

Die Blätter der echten Kamille sind ganz fein, ähnlich wie bei Dill oder Fenchel.

Ganz ähnlich sieht die geruchlose Kamille aus, die zu den Strandkamillen gehört.

Sie hat die gleichen dünnen Blättchen und auch gelb-weisse Blüten.

Aber die gelben Blüten sind deutlich flacher und innen auch nicht hohl.

Und vor allem riecht die Strandkamille nicht oder kaum, was man ja eigentlich schon am Namen erkennen kann.

Sie hat auch nur eine schwache Heilwirkung, die aber ein bisschen ähnlich ist, wie die von der echten Kamille.

Wenn man also beide Arten verwechselt, ist das nicht schlimm, man bekommt jedoch keinen kräftigen Kamillentee, sondern nur einen schwachen Abglanz.

Die Margerite, oder Wiesen-Wucherblume, hat auch sehr ähnliche Blüten.

Aber ihre Blüten sind sehr viel grösser als die Blüten der Kamille.

Ausserdem hat sie keine dünnen Fiederblättchen, sondern richtige Blätter die von verkehrt eiförmig bis lanzettlich und leicht gesägt reichen.

Ausserdem riecht die Margerite nicht wie die Kamille.

Auf der Wiese steht ausserdem der Feinstrahl, der auch einjähriges Berufkraut genannt wird.

Davon sieht man hier eine grössere Anzahl, was mich nicht wundert, denn der Feinstrahl wächst überall reichlich, wo er vorkommt.

Die Pflanzen sind höher als bei den anderen vorgestellten weiss-gelben Korbblütlern, die Blätter sind schmal und lanzettlich.

Ganz deutlich sieht man auch die vielen, schmalen weissen Blüten, die sich eindeutig von den anderen Blüten unterscheiden.

Manchmal sind die weissen Zungen-Blüten des Feinstrahls auch etwas rosa.

Das erinnert mich an die Gänseblümchen, die auch manchmal rosa sind und eigentlich in dieser Sammlung fehlen.

Auf einer anderen Wiese in der Nähe wuchsen auch Gänseblümchen, aber ich habe vergessen, sie zu fotografieren.

Da ich noch ein wenig Zeit habe, streune ich noch ein Weilchen am schattigen Bach herum.

An diesem heissen Tag ist es wunderbar, im Schatten unterzutauchen.

Der Bach gluckert freundlich und ich kann nur schwer der Versuchung widerstehen, rein zu steigen, um die Füsse abzukühlen.

Um 15 Uhr beginnt schliesslich die Exkursion, die mich am meisten interessiert.

Es ist eine Pflanzen-Exkursion mit dem Biologen Klaus Rennwald (mit gelbem T-Shirt).

Drolligerweise beginnt die Exkursion mit einem Vergleich von echter Kamille und geruchloser Kamille.

Dieser Vergleich bietet sich wohl einfach an, wo die beiden hier so dicht zusammen wachsen.

Nach dem Kamillen-Vergleich tauchen wir in die schattige Welt des Bachlaufs ein, was mir sehr recht ist, weil es dort so schön schattig ist.

Ein Strauch, an dem ich vorhin schon entlang gegangen bin, ohne ihn zu erkennen, ist der Faulbaum, mit dem ich bisher noch nicht vertraut war.

Jetzt lerne ich ihn endlich persönlich kennen.

Dass seine Rinde gegen Verstopfung hilft, wusste ich natürlich schon lange. Aber von starken Abführmitteln halte ich nicht viel und habe mich daher auch noch nicht intensiv mit dem Faulbaum beschäftigt.

Auch eine Winterlinde steht in der Nähe des Baches.

Dieser Baum fängt erst jetzt an zu blühen.

Im Gegensatz zur Sommerlinde hat die Winterlinde keine filzige Blattunterseite.

Und dann lerne ich endlich den schaurigen japanischen Knöterich kennen.

Zwar hatte ich von diesem invasiv wachsenden Einwanderer schon viel gehört, ihn bisher aber nur auf Bildern gesehen, wo er teilweise ganze Täler überwuchert.

Zumindest dachte ich, ich hätte den japanischen Knöterich noch nicht in Echt gesehen. Aber das stimmt gar nicht, denn diese Pflanze habe ich in letzter Zeit schon öfter gesehen, wenn ich in Flussnähe war und ich hatte mich gefragt, was das wohl für eine Pflanze ist.

Jetzt weiss ich es und mir ist auch bewusst, dass der japanische Knöterich auch in dieser Gegend sehr verbreitet ist.

Die schnell wachsende Pflanze verdrängt heimische Gewächse und da er im Winter samt Wurzel abstirbt, hat er nicht die Fähigkeit, den Boden zusammen zu halten, weshalb das Erdreich bei Hochwasser leicht davongeschwemmt werden kann.

Immerhin enthält der japanische Knöterich reichlich Polyphenole und ist daher eine gesunde Heilpflanze mit einer ähnlichen Gesundheitswirkung wie beispielsweise der grüne Tee oder der Rotwein.

Am Bachufer wächst auch das Hexenkraut.

Das Hexenkraut ist eine merkwürdige Pflanze.

Sie sieht zwar sehr interessant aus, finde ich, aber sie hat kaum Heilwirkungen ausser ein wenig Wundheilung und ist nicht einmal eine Giftpflanze, wie man eigentlich bei dem markanten Namen erwarten könnte.

Aber das Hexenkraut wurde schon früher zu magischen Zwecken eingesetzt, beispielsweise als Schutz für das Vieh.

Es gibt auch eine Faustregel, die besagt, dass man sich verirrt hat, wenn man das Hexenkraut findet, weil es abgelegene Stellen bevorzugt. Das stimmt zumindest heutzutage nicht mehr, denn ich kenne das Hexenkraut von lauter leicht erreichbaren Stellen, die ganz in der Nähe von Orten und Häusern sind.

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