Kräuter-Wanderung: Zum Totenkopf-Gipfel

  

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Wie sich das für einen Weg gehört, der den Gipfel stürmt, geht es ordentlich bergauf.

Vor mir ist ein älteres Ehepaar unterwegs und ich staune, wie zackig die auf diesem steilen Weg vorankommen.

Das ist eine der schönen Eigenschaften des Wanderns, dass man auch noch im höheren Alter Freude daran haben kann.

Am Wegrand wachsen Walderdbeeren, deren Blätter auch wieder aussehen als wäre gerade der Frühling angebrochen.

Ein Ameisenhaufen steht am Weg und unzählige Ameisen krabbeln darauf herum.

Besonders hektisch ist ihre Aktivität in dem Loch, dass vielleicht irgendwelche garstigen Menschen in den Haufen gestochen haben.

Mühsam versuchen die Ameisen, den Schaden zu beheben.

Endlich kommt der Neunlinden-Turm in Sichtweite.

Für Leser, die den Kaiserstuhl nicht kennen, sind hier wohl ein paar erklärende Worte nötig.

Der Totenkopf ist mit 557 Metern der höchste berg des Kaiserstuhls. Direkt daneben, kaum zweihundert Meter davon entfernt, reckt sich der Neunlinden-Gipfel mit 555 Metern in die Höhe, was ihn zum zweithöchsten Gipfel des Kaiserstuhls macht.

Da die beiden Gipfel aber so nahe beinander liegen, werden sie meistens als Einheit betrachtet.

Der für die Bevölkerung zugängliche Aussichtsturm steht auf dem Neunlinden-Gipfel, er ist also im Allgemeinen das eigentliche Ziel, wenn man auf den Totenkopf steigt.

Den Aussichtsturm auf dem Neunlinden kann man besteigen, allerdings auf eigene Gefahr.

Die Wendeltreppe ist aber so neu, dass mir der Aufstieg nicht gefährlich schien. Deutlich ungefährlicher als manche steile Wanderstrecke.

Im Inneren sieht man ein Schild, das über den Aussichtsturm informiert.

Der Turm wurde 1900 vom Badischen Schwarzwaldverein erbaut.

1984 und 2005 wurde der Turm renoviert.

Die jüngste Renovierung merkt man dem Turm an - er ist prima in Schuss.

Von der Spitze des Turmes aus hat man, wie erhofft, eine herrliche Sicht.

Die Vogesen sind zwar nur mit ihrem südlichen Ausläufer sichtbar, aber ansonsten kann man von einer grandiosen Aussicht sprechen.

Hier sieht man auf den Badberg, der im Inneren des Kaiserstuhls liegt.

Erst kürzlich habe ich dort eine Gottesanbeterin und viele Pflanzen entdeckt.

Der Blick über das Rheintal zum Schwarzwald ist einfach wunderbar.

Obwohl die Fernsicht nicht optimal ist, macht es Freude, in der Ebene die vielen Orte zu sehen, umrandet von den Bergen des Schwarzwalds.

Das Auge kann so weit fliegen, wie sonst nur selten. Es ist eine fast körperlich spürbare Wonne.

Wieder zurück am Fuss des Aussichtsturms freue ich mich über den Picknick-Platz, der vor dem Turm mit Tisch und Bänken zum Verweilen einlädt.

Weiter unten gibt es sogar Bänke, die im Kreis stehen mit einem Feuerplatz in der Mitte. Das deutet auf richtiggehende Feste hin.

Mir reicht der Picknicktisch jedoch völlig aus, um mein mitgebrachtes Brötchen zu essen, viel zu trinken und dabei auf der Karte die kommende Strecke kennenzulernen.

Auch vom Picknickplatz aus habe ich eine tolle Sicht.

Das ist einer dieser Momente, die fast zu schön sind, um wahr zu sein.

Da sitzt man gemütlich an einem Tisch, mit einem wohlschmeckenden Käsebrot in der einen Hand, einem leckeren Getränk inder anderen Hand und hat solch einen Blick auf das Rheintal und den Schwarzwald.

Schweren Herzens verabschiede ich mich vom Neunlinden-Gipfel.

Für den Rückweg will ich eine andere Strecke nehmen. Zuerst muss ich den kurzen Anstieg zum Neunlinden zurück gehen. Dann werde ich dem blauen Kreis der Oberrotweiler Wanderwege folgen.

Nach dem Abstieg lockt mich jedoch der schmale Pfad, der abseits der beschilderten Wanderwege direkt auf einen zweiten Gipfel zu führen scheint. Das muss der Weg zum "echten" Totenkopf-Gipfel sein. Ob ich auf diesem Weg auch dem Fernsehturm mal näher komme?

Gedacht, getan, ich nehme zunächst den kleinen Pfad bergan.

Schon nach wenigen Metern stehe ich auf einen kleinen Plateau, das eindeutig wie ein Gipfel aussieht, allerdings sehr unspektakulär.

In alle Richtungen geht es bergab und auf dieser Kuppe steht ein Markierungsstein. Das ist alles.

Irgendwie merkwürdig für den Gipfel eines Gebirges. Aber da auch ich das erste Mal hier bin, obwohl ich schon oft auf dem Neunlinden-Turm war, wird klar, dass dieser eigentlich höchste Gipfel irgendwie ignoriert wird.

Doch wo ist der Fernsehturm, den man von überall sehen kann, nur nicht von hier aus, wo man ihn eigentlich vermutet hat?

Ein schmaler Trampelpfad bringt vielleicht die Antwort.

Auf dem Weg zum Fernsehturm, der immer mal wieder durch die Bäume blitzt, treffe ich auf die Beeren des Aronstabs.

Diese Beeren nehmen mich erstmal voll in Beschlag und lassen mich den Turm vergessen.

Denn Aronstab-Beeren trifft man eher selten an.

Ich finde, es sieht toll aus, wie die hellroten Beeren auf ihrem Stengel thronen.

Da sie jedoch im eher dunklen Unterholz stehen, ist es eine echte Herausforderung, scharfe Bilder von ihnen zu knipsen.

Achtung an alle Leckermäuler! Von den Beeren des Aronstabs sollte man die Finger lassen, denn sie könnten einem schmerzhaft den Mund verbrennen.

Mein Weg auf dem Trampelpfad führt mich schliesslich doch noch ganz nah an den Fernsehturm heran.

Er steht etwas unterhalb des Totenkopf-Gipfels.

Ausser dem Turm stehen dort auch noch mehrere Gebäude.

Für den Betrieb dieses Funkturms braucht man wohl auch die Strasse, der ich vorhin begegnet bin.

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