Zweizahn

(Bidens)

  

Zweizahn Die Zweizahn-Arten (Bidens) sind unscheinbare Randgewächse mit gelben oder weißgelben Blüten, die überraschend starke Heilkräfte haben. Ursprünglich stammen die verschiedenen Zweizähne aus Südamerika, aber inzwischen wachsen sie fast weltweit, stellenweise wuchern sie sogar in unerwünschten Mengen. Da viele Zweizahnarten antibiotisch wirken, sogar gegen resistente Keime, wird der Zweizahn bestimmt noch eine beliebte Heilpfanze werden.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen: Infektionskrankheiten,
Heilwirkung: abwehrsteigernd,
adstringierend,
antiallergisch,
antibakteriell,
antibiotisch,
antiseptisch,
antiviral,
blähungstreibend,
blutbildend,
blutdrucksenkend,
blutstillend,
blutzuckersenkend,
carminativ,
entzündungshemmend,
fungizid,
harntreibend,
immunmodulierend,
krampflösend,
leberschützend,
milchbildend,
nervenstärkend,
pilzhemmend,
schleimhautstärkend,
schleimlösend,
tonisierend,
wurmtreibend,
Anwendungsbereiche: Anämie,
Angina,
Appetitlosigkeit,
Bauchschmerzen,
Blähungen,
Blasenentzündung,
Bluthochdruck,
Denguefieber,
Diabetes,
Durchfall,
Erhöhter Cholesterinspiegel,
Fieber,
Gastroenteritis,
Grippe,
Erkältung,
Halsschmerzen,
Hautinfektionen,
Husten,
Infektionskrankheiten,
Kehlkopfentzündung,
Kopfschmerzen,
Magen-Darm-Infektion,
Malaria,
Mandelentzündung,
Menstruationsbeschwerden,
Migräne,
Müdigkeit,
Niedriger Blutdruck,
Ödeme,
Ohrenentzündung,
Periodenschmerzen,
Rheuma,
Schnupfen,
Schlecht heilende Wunden,
Unruhe,
Verdauungsschwäche,
Wechseljahrsbeschwerden,
Wundinfektionen,
wissenschaftlicher Name: Bidens pilosa, Bidens frondosa, Bidens tripartitus, Bidens leucantha
Pflanzenfamilie: Korbblütler = Asteraceae
englischer Name: beggarticks
andere Namen: Ottracedi, xian feng cao, gui zhen cao, Nagelkraut,
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, das oberirdische Kraut, Wurzeln
Inhaltsstoffe: Polyacetylene, Flavonoide, Cumarinsäuren, Benzenoide, Stigmasterol, Quercetine, Salicylsäure, Phytosterine,
Sammelzeit: Frühling und Sommer


Anwendung

Zweizahn

Viele Zweizahn-Arten können als Heilpflanze eingesetzt werden. Besonders geeignete Heilpflanzen unter den Zweizahnen sind der Behaarte Zweizahn (Bidens pilosus) und der Dreiteilige Zweizahn (Bidens tripartita).

Am besten wird Zweizahn frisch verwendet, weil er dann deutlich mehr Wirkstoffe enthält als in getrockneter Form.

Zweizahn-Kraut kann man wahlweise als Tee oder als Tinktur anwenden.

Als Tinktur ist der Zweizahn deutlich wirksamer als der Tee. Daher ist die Tinktur-Anwendung die bevorzugte Methode, um den Zweizahn einzusetzen.

Tinktur

Um eine Zweizahn-Tinktur selbst herzustellen, übergießt man Zweizahn in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen.

Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein, bei akuten Krankheiten bis zu 6 mal täglich.

Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

Blasenentzündungs-Tinktur

Hier ein Rezept für eine Tinktur gegen hartnäckige Blasenentzündungen.

Man kann diese Tinktur auch dann versuchen, wenn man unter rezidivierenden Harnwegsinfektionen mit resistenten Keimen leidet.

Zutaten:

  • 50 g Zweizahn-Kraut
  • 50 g Wacholder-Beeren
  • 50 g frische Ingwer-Wurzel (kann man zur Not weglassen.)
  • ca. 500 ml Doppelkorn

So bereitet man diese Tinktur zu:

  1. Zerdrück die Wacholder-Beeren, am besten mit einem Mörser.
  2. Schneide den Ingwer in dünne Scheiben.
  3. Gib alle Kräuter in ein großes Schraubdeckelglas.
  4. Übergieß sie mit dem Doppelkorn bis die Kräuter mehr als bedeckt sind.
  5. Verschließ das Glas und schüttel es gut durch.
  6. Lass das Glas für 2 bis 6 Wochen stehen und schüttel es täglich.
  7. Filter die Tinktur ab und gieße sie in eine dunkle Flasche.
  8. Nimm 6 mal täglich 20-30 Tropfen von dieser Tinktur ein.
  9. Nimm die Tinktur ca. 10 Tage lang ein.

Tee

Der Tee des Zweizahns wirkt deutlich weniger stark als eine Tinktur, weil sich die Zweizahn-Wirkstoffe nicht so gut im Wasser auflösen. Man kann aber einen Zweizahn-Tee zubereiten und trinken.

Für einen Zweizahn-Tee übergießt man ein bis zwei Teelöffel Zweizahn mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen.

Anschließend abseihen und den Zweizahntee in kleinen Schlucken trinken.

Von diesem Tee trinkt man ein bis drei Tassen täglich.

Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Zweizahn-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Zweizahn-Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.

Achtung! Zweizahn nicht essen!

Den Zweizahn sollte man nicht essen, weil seine Blätter feine Mikro-Haare aus Silikaten enthalten. Diese Mikrohaare können die Speiseröhre schädigen. Wenn man sehr häufig Zweizahn isst, könnte es sogar zu Speiseröhrenkrebs kommen, wie bei manchen Tierarten schon beobachtet wurde.



Wirkung

Zweizahn

Die wichtigste Wirkung vom Zweizahn ist seine antibtiotische Fähigkeit. Zweizahn-Arten wirken nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Viren, Würmer und krankheitserregende Pilze.

Besonders interessant ist die Wirkung der Zweizahne gegen resistente Keime. Somit sind die Zweizahne pflanzliche Antibiotika, die in Zeiten von Antibiotika-Resistenzen helfen können.

Zweizahn kann unter anderem gegen folgende Krankheitserreger eingesetzt werden:

  • Bacillus cereus
  • Bacillus subtilis
  • Candida albicans
  • Zytomegalievirus
  • Entamoeba histolytica
  • Entereococcus faecalis
  • Escherichia coli
  • Herpes simplex
  • Klebsiella pneumoniae
  • Leishmania amazonensis
  • Mycobacterium tuberculosis
  • Neisseria gonorrhoeae
  • Plasmodium
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Salmonella
  • Serratia marcescens
  • Shigella flexneri
  • Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Staphylococcus epidermidis

Weitere wichtige Zweizahn-Wirkungen

Außer der antibiotischen Wirkung hat der Zweizahn noch zahlreiche andere Heilwirkungen. Die komplette Liste findest Du weiter oben im Steckbrief. Hier gehe ich auf die wichtigsten Wirkungen ein.

Zweizahn stärkt das Immunsystem

Zweizahn stärkt die Abwehrkräfte, sodass man Infektionen besser bekämpfen kann. Die Infektanfälligkeit geht zurück.

Zudem wirkt Zweizahn entzündungshemmend. Die Entzündungen, die beispielsweise durch eine eine Infektion hervorgerufen werden, werden verringert.

Weil Zweizahn zusätzlich schleimlösend wirkt, kann er gut bei Atemwegserkrankungen helfen.

Zweizahn stärkt die Schleimhäute

Eine besondere Eigenschaft der Zweizähne ist ihre Fähigkeit, die Schleimhäute zu stärken.

Das macht den Zweizahn zu einer guten Heilpflanze bei Entzündungen der Atemwege, der Verdauungsorgane und der Harnwege. Die Schleimhäute werden gestärkt und ihre Funktion verbessert, sodass sie leichter in der Lage sind, Krankheitserreger abzuwehren und Entzündungsreaktionen zu verringern.

Zweizahn wirkt gegen Allergien

Die Bidens-Arten (Zweizahn) wirken antiallergisch, sodass man ihn beispielsweise bei Heuschnupfen einsetzen kann.

Allerdings wirkt Zweizahn nicht sofort wie ein antiallergisches Medikament, sondern eher so, dass mittelfristig die Stärke der allergischen Reaktion zu verringern.


Geschichtliches

Zweizahn

Ursprünglich kommt der Zweizahn aus Südamerika.

Als die Spanier Südamerika eroberten, verbreiteten sie unabsichtlich den Zweizahn in alle Welt.

Jetzt wächst Zweizahn nahezu überall wo es etwas wärmer ist. Viele Zweizahnarten bevorzugen tropische Gegenden, andere sind auch in mittleren Breiten anzutreffen.

Fast überall wo der Zweizahn daher seit Jahrhunderten zur bekannten Pflanzenwelt gehört, wird er auch als Heilpflanze verwendet, teilweise sehr unterschiedlich.

In der indischen Ayurveda-Heilkunde wird Zweizahn unter dem Namen Ottracedi bei Erkältung, Grippe, Blasenentzündungen, Hepatitis und zur Wundheilung verwendet.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Zweizahn als Xian Feng Cao zur Entgiftung und Ableitung eingesetzt, beispielsweise zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Malaria, Gelenkentzündungen und sogar bei Schlangenbissen.

In Europa und in den USA sind die Zweizähne als Heilpflanze weitgehend unbekannt. Es gibt zwar vereinzelte Pflanzenheilkundler, die den Zweizahn erwähnen, aber seine wichtigen Heilkräfte werden bislang nicht ausreichend gewürdigt.

Im Zuge der immer gefährlicher werdenden Antibiotikaresistenzen wird sich das aber vermutlich bald ändern.




Pflanzenbeschreibung

Zweizahn

Die Gattung Zweizahn (Bidens) besteht aus etwa 200 verschiedenen Arten. Viele davon wirken heilkräftig.

Zweizahn ist nahezu weltweit in warmen Gegenden heimisch. Manche Arten wachsen auch in mittleren Breiten.

Sie wachsen auf verschiedenen Arten von Böden, bevorzugt trocken und kommen bis in Höhen von 3.600 Metern vor. Man findet sie an Wegrändern, in Gräben und auf Brachland. Manchmal wächst der Zweizahn regelrecht überfallsartig und gilt als invasive Pflanze.

Die einjährigen oder mehrjährigen Pflanzen-Arten werden bis zu 1,50 m hoch.

Die Blätter sind meistens gegenständig angeordnet, länglich und gekerbt oder gezähnt. Häufig sind sie drei- oder fünfteilig gefiedert.

Viele Arten haben weiß-gelbe Blüten, häufig mit 5 weißen Zungenblüten (z.B. Bidens pilosus = Behaarter Zweizahn). Andere haben gar keine Zungenblüten, sondern nur Röhrenblüten z.B. Bidens tripartita = Dreiteiliger Zweizahn.

Insgesamt sind die Zweizahn-Blüten eher unauffällig, sodass die Pflanzen häufig übersehen werden.

Die namensgebende typische Eigenschaft aller Zweizahnarten sind die zahnartigen Samen (Achäne), die sich in Tierfellen und menschlicher Kleidung festhaken, um sich zu verbeiten. Viele Zweizahnarten haben Samen mit zwei Spitzen (Grannen), was den Namen "Zweizahn" und auch "Bidens" erklärt. Bi = zwei und dens = Zahn.

Manche Arten haben mehr als zwei Grannen (= Spitzen), z.B. der Dreiteilige Zweizahn, der häufig drei Grannen hat.

Verbreitung / Vorkommen

Verbreitung Zweizahn

Ursprünglich kommen die Zweizahne aus Südamerika.

Seit der Erboberung durch die Spanier haben sich die Zweizahne fast weltweit ausgebreitet, teilweise sehr invasiv.

Man findet den Zweizahn heutzutage in folgenden Regionen:

  • USA
  • Kanada
  • Karibik
  • Russland
  • Mitteleuropa
  • Europa
  • Afrika
  • China
  • Indien
  • Ostasien
  • Australien
  • Pazifik


Anbautipps

Man kann den Zweizahn einfach anbauen. Allerdings besteht die Gefahr, dass er sich im Garten raumgreifend ausbreitet und andere Pflanzen verdrängt.

Zweizahn-Samen kann man beispielsweise im Internet kaufen. Dabei sollte man möglichst Bidens pilosa oder Bidens tripartia kaufen. Andere Arten sind oft reine Zierpflanzen.

Im Frühjahr sät man die Samen aus. Die Pflanze keimt und wächst recht schnell.

Schon nach sechs Wochen können Blüten anfangen zu blühen. Jede Pflanze kann tausende von Samen produzieren.



Sammeltipps

Als Heilmittel sammelt man das oberirdische Kraut.

Um das Blätterwachstum anzuregen, kann man die Blüten abschneiden und dann erst nach einigen Tagen ernten.

Am besten verwendet man den Zweizahn frisch, weil er dann am meisten Wirkstoffe hat.

Man kann gleich nach der Ernte eine Tinktur mit der Pflanze ansetzen (siehe oben).