Verhalten bei Virusinfektionen

  

Viren Symbolbild

Wenn man eine Virusinfektion hat, kann das eigene Verhalten darüber entscheiden, ob die Krankheit leicht und problemlos verläuft oder ob man Komplikationen bekommt und einen schweren Verlauf hat.

Daher gibt es hier einige Tipps für das Verhalten bei Erkrankungen durch Viren. Der Schwerpunkt dieser Tipps liegt bei Atemwegsinfektionen, z.B. Erkältung oder Grippe und Infektionen des Verdauungstraktes.


Zu Hause bleiben

Wenn man eine Virusinfektion hat, sollte man möglichst zu Hause bleiben.

Auch zur Schule und zur Arbeit sollte man nicht gehen. Zwar gilt es hierzulande als tapfer und tüchtig, wenn man trotz Erkältung bei der Arbeit/Schule erscheint, aber das ist sowohl für einen selbst als auch für alle anderen schädlich.

  • Als Kranker wird man nicht so schnell wieder gesund, wenn man arbeitet.
  • Kollegen oder Mitschüler können angesteckt werden. Im schlimmsten Fall wird der gesamte Betrieb lahmgelegt.
  • Die Arbeit wird schlechter erledigt, weil man sich nicht konzentrieren kann. Dadurch könnten gefährliche Fehler passieren.

Wenn jeder Erkältete oder anderweitig Infizierte sofort bei den ersten Symptomen zu Hause bleibt, hätte das auch keine schädliche Wirkung auf die Gesamt-Arbeitsleistung. Es würde eher dafür sorgen, dass Erkältungen seltener werden, weil die Infektionskette unterbrochen wird. Außerdem wären die Erkrankten kürzer krank, weil sie ihre Krankheit optimal auskurieren können.

Daher sollte man zu Hause bleiben, wenn man eine Infektionskrankheit hat. Außerdem sollte man sich ausruhen, damit man schnell wieder gesund wird.


Fieber

Fieberthermometer

Fieber ist eine sinnvolle Maßnahme des Körpers, um Infektionen zu bekämpfen. Je höher die Körpertemperatur ist, desto schlechter können sich Viren und Bakterien vermehren. So kann Fieber dabei helfen, schneller wieder gesund zu werden.

Auf der anderen Seite fühlt man sich oft elend, wenn man Fieber hat. Daher versuchen viele Fieberkranke, das Fieber durch Medikamente zu senken. Damit tut man sich jedoch einen schlechten Gefallen, denn man legt dadurch sozusagen die körpereigene Infektionsbeämpfung lahm, zumindest teilweise. Die Folge davon sind ein verlängerter Krankheitsverlauf und vermehrte Komplikationen.

Daher:

Keine Fieberbekämpfung, wenn das Fieber nicht gefährlich hoch ist!

Doch was ist gefährlich hohes Fieber?

Die gesunde Körpertemperatur des Menschen liegt bei rund 36,5°C. Je nach Schweregrad des Fiebers steigt die Körpertemperatur an. Leichtes Fieber belastet den Körper weniger als hohes Fieber.

Hier eine Aufstellung der Fieber-Stufen:

  • Normale Körpertemperatur: 36,0°C - 36,9°C
  • Erhöhte Temperatur: 37°C - 37,9°C
  • Leichtes Fieber: 38°C - 38,9°C
  • Hohes Fieber: 39°C - 39,9°C
  • Sehr hohes Fieber: 40°C - 41,9°C
  • Lebensbedrohlich hohes Fieber: ab 42°C

Ab wann Fieber gefährlich oder zu belastend für den Körper wird, ist individuell unterschiedlich.

Kinder haben meistens schneller hohes Fieber über 39°C, und dieses Fieber verschwindet oft auch sehr schnell wieder ohne gefährlich zu sein. Nur wenn Kinder über einen längeren Zeitraum über 39°C Fieber haben, sollte in Absprache mit dem Arzt das Fieber gesenkt werden. Bei kurzen Fieberspitzen sind eher Temperaturen über 40°C ein Problem.

Eine Ausnahme besteht, wenn ein Kind zu Fieberkrämpfen neigt. Dann sollten schon niedrigere Fieber-Temperaturen in Absprache mit dem Arzt bekämpft werden.

Die meisten Erwachsenen bekommen nicht so schnell Fieber und ihr Fieber wird oft auch nicht so hoch. Für Erwachsene sind meistens schon Körpertemperaturen über 39,5°C eine starke Belastung, bei der über fiebersenkende Maßnahmen nachgedacht werden sollte.

Fieber senken mit Wadenwickeln

Wadenwickel

Eine schonende Möglichkeit um gefährlich hohes Fieber zu senken sind Wadenwickel.

Beim Senken von gefährlich hohen Körpertemperaturen geht es normalerweise nicht darum, das Fieber auf Normaltemperatur zu senken. Stattdessen sollte man das Fieber nur soweit absenken, dass es nicht mehr gefährlich ist, also in den Bereich von rund 39°C.

Häufig kann man das schon mithilfe von Wadenwickeln erreichen.

So macht man Wadenwickel:

  1. Auf die Matraze legt man eine möglichst wasserdichte Unterlage.
  2. Für die eigentlichen Wickel tränkt man Baumwolltücher, z.B. Handtücher mit lauwarmem Wasser.
  3. Die Tücher werden ausgewrungen, sodass sie nur noch feucht sind.
  4. Die feuchten Tücher werden um die Waden gewickelt.
  5. Dort lässt man sie ca. 20 Minuten lang.
  6. Danach wechselt man die Tücher und ersetzt sie durch frisch befeuchtete Tücher.
  7. Das wiederholt man, bis die Körpertemperatur auf ca. 39°C gesunken ist.

Fieber möglichst nicht durch Medikamente senken

Fiebersenkende Medikamente

Es gibt zwar zahlreiche Medikamente, die fiebersenkend wirken, aber man sollte Fieber möglichst nicht medikamentös senken. Eine Ausnahme besteht, wenn gefährlich hohes Fieber besteht und sich dieses nicht durch Wadenwickel senken lässt.

Fieber senken ist prinzipiell nur sinnvoll, wenn das Fieber gefährlich hoch ist, weil Fieber eine wichtige Rolle bei der Infektionsbekämpfung spielt.

Doch warum sollte man Fieber möglichst nicht mit Medikamenten senken?

Die meisten fiebersenkenden Medikamente wirken außerdem entzündungshemmend. Es handelt sich um sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika. Das betrifft beispielsweise Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac.

Entzündungen sind zwar nicht erwünscht, aber im Falle einer Infektion stellen sie eine wichtige Reaktion des Körpers dar, um die Krankheitserreger zu bekämpfen. Bei einer Virusinfektion kann es daher schädlich für die Gesundung sein, eine Entzündung zu verhindern. Nur wenn eine Entzündung überschießt, also zu stark für den Körper ist, sollte sie in Absprache mit dem Arzt bekämpft werden.

Daher sollte man Fieber möglichst nicht mit fiebersenkenden Medikamenten senken, auch wenn es hoch ist.

Eine Ausnahme stellt Paracetamol dar, denn das wirkt nicht entzündungshemmend. Paracetamol hat jedoch potentiell leberschädigende Wirkung, wenn man es zusammen mit Alkohol einnimmt. In Extremfällen kann die Leber irreparabel geschädigt werden. Paracetamol darf man daher keinesfalls einnehmen, wenn man am gleichen Tag auch Alkohol trinkt.

Daher:

Für viele Viren gilt: Möglichst kein Aspririn oder Ibuprofen bei Fieber einnehmen!

Mögliche Folge: Vermehrte Komplikationen (schwere Lungenentzündung, Organschädigungen, überschießende Immunreaktion). Diese Komplikationen werden zur Zeit noch wissenschaftlich erforscht (Stand: Anfang 2020) und ein abschließendes Urteil darüber ist noch nicht gefällt.


Bettruhe bei Fieber

Wenn man Fieber hat, sollte man sich ins Bett legen.

Diese Bettruhe bedeutet nicht, dass man gar nicht mehr aufstehen darf, beispielsweise um zur Toilette zu gehen, zumindest, wenn man die Kraft dazu hat. Man sollte aber den größten Teil des Tages im Bett verbringen.

Bei Fieber ist diese Ruhe notwendig, weil das Fieber und die Infektion sehr viel Kraft kosten. Der Körper braucht auch viel Kraft, um wieder gesund zu werden.

Wenn man kein Fieber hat, aber trotzdem eine Infektionskrankheit durchmacht, hängt es vom Befinden ab, ob und wie viel man im Bett liegen sollte. Also wenn man sich sehr schlapp fühlt, sollte man viel im Bett oder auf dem Sofa liegen, damit man genug Kraft hat, um schnell wieder gesund zu werden.


Viel trinken

Wasser trinken

Wenn man eine Infektionskrankheit hat, sollte man möglichst viel trinken, am besten Wasser oder Kräutertee.

Besonders wichtig die reichliche Flüssigkeitszufuhr, wenn man Fieber hat, denn dann schwitzt man besonders viel und verliert viel Flüssigkeit.

Aber auch, wenn man kein Fieber hat, ist viel trinken sinnvoll, um dem Körper dabei zu helfen, Giftstoffe auszuscheiden.

Viel trinken bedeutet, dass man täglich mindestens 2-3 Liter trinken sollte, bei fieber noch deutlich mehr, abhängig von der Höhe des Fiebers.


Zum Arzt gehen

Je nach Schwere einer Virusinfektion kann man die Infektion selber zu Hause ausheilen lassen oder man sollte bzw. muss zum Arzt gehen. Eine normale Erkältung kann man meistens ohne ärztliche Hilfe auskurieren, aber eine echte Virusgrippe verläuft oft so schwer, dass alte und an Vorerkrankungen leidende Menschen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Ob man einen Arzt braucht oder nicht, kann man bei den meisten Virusinfektionen nicht anhand von einer Faustregel beurteilen. Fieber wird oft als Kriterium angegeben, dass man einen Arzt braucht. Aber viele Kinder haben häufig bei jedem Schnupfen für ein bis zwei Tage Fieber, das problemlos von selbst wieder verschwindet. Dann braucht man keinen Arzt. Aber es gibt auch empfindliche Kinder, die schon bei leichten Infektionen einen Arzt brauchen.

Am ehesten kann sagen, dass man einen Arzt braucht, wenn man sich von einer Krankheitssituation überfordert fühlt. Auch wenn Fieber nicht wieder verschwindet oder eine Krankheit nicht wieder nach gewohnter Zeit nachlässt, dann braucht man einen Arzt.

Allerdings sollte man nicht einfach in eine Arztpraxis gehen, wenn man eine Virusinfektion hat. Denn im Wartezimmer könnte man andere Menschen anstecken. Am besten ruft man zuerst in der Praxis an und sagt dort Bescheid, dass man eine Infektionskrankheit vermutet. Dann haben die Mitarbeiter der Praxis die Möglichkeit, einen in den Randzeiten einzubestellen, sodass man nicht im Wartezimmer sitzen muss und das Personal geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen kann.

In akuten Notsituationen, z.B. bei starker Atemnot, sollte man den Notruf wählen (112).