Kräuter-Wanderung: 20.11.2012: Nebelwald auf La Gomera


Wieder bin ich auf Gomera, um das angenehme Klima und die schönen Wanderwege zu genießen.

Wie nach meiner letzten Gomera-Reise versprochen, gibt es diesmal einen Bericht von einer Wandertour durch den Lorbeerwald.

Die hier beschriebene Wanderung geht von der landwirtschaftlich genutzten Zone in den Bergen, über den Gagelbaum-Baumheide Strauchwald (Fayal-Brezal) bis hinein in den feuchten Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay. In diesen verschiedenen Vegetationsbereichen wachsen zahllose interessante Pflanzen, darunter auch viele Arten, die es nur hier auf Gomera oder auf den kanarischen Inseln gibt, sogenannte endemische Arten.

Auch einige typisch gomerische Heilpflanzen lernen wir kennen.

Wer diese Wanderung nachwandern will, der kann sich hier den GPS-Track runterladen:

  • Streckenlänge: 11 km
  • Höhenmeter: 450 m

Feuerschäden-Bericht

Für die meisten Gomera-Freunde ist zur Zeit vor allem interessant, wie sich die Insel nach dem verheerenden Feuer vom August 2012 entwickelt hat. Etwa 10% der Insel sind damals verbrannt, insbesondere im Bereich des südlichen Nationalparks, bis hin zum Garajonay, dem höchsten Berg von La Gomera. Auch im oberen Valle Gran Rey hat es gebrannt, wenn auch nur kurze Zeit.

Da die Frage nach den Feuerschäden für Viele sehr wichtig ist, habe ich auch einige Bilder von den Brandgegenden gemacht und auf der letzten Seite dieses Wanderberichtes dokumentiert.

Wer sich traurige Feuerschäden-Bilder lieber ersparen will, sollte diese letzte Seite meiden. Alle anderen finden hier den
Bericht über Feuerschäden auf La Gomera

Doch nun zunächst der Wanderbericht durch den herrlichen Lorbeerwald, der uns erhalten geblieben ist.

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Wenn man mit dem Bus anreist, dann fährt man bis nach "Cruce Las Hayas". Das ist eine Bushaltestelle scheinbar mitten im Wald, aber doch ganz nah bei dem kleinen Ort Las Hayas.

Wer ein eigenen Mietauto hat, braucht nicht hier im Nirgendwo zu starten, sondern kann bei einem der Gasthäuser in Las Hayas parken und loswandern.

Der Weg führt zunächst auf der kleinen Straße entlang nach Las Hayas.

Hier haben wir schon die typische Fayal-Brezal-Vegetation, also Baumheide und Gagelbaum als wichtigste Baumarten.

Da es in den letzten Wochen endlich viel geregnet hat, teilweise auch sehr stark, nutzt die Natur die Feuchtigkeit, um überall in hellem Grün zu sprießen.

Viele Hänge und Terassen sind mit hellem Frühlingsgrün überzogen, denn der Frühling der Vegetation findet hier auf den kanarischen Inseln im Herbst statt, wenn es endlich wieder regnet.

Am Wegrand stehen pralle Kaktusfeigen (Opuntien) mit saftigen rot-orangenen Früchten.

Diese Opuntien sieht man hier sehr viel in den trockeneren Gegenden. Sie wurden einst angebaut, um darauf Cochenille-Läuse zu züchten, für die Gewinnung von rotem Farbstoff.

Die Früchte der Opuntien werden hier kaum genutzt. Manchmal finde ich das schade, denn man könnte hier bergeweise Kaktusfeigen essen oder daraus Marmelade kochen.

Nach einigen hundert Metern kommen wir an der Bar Amparo vorbei.

Bei Amparo kann man nach der Wanderung einen Kaffee trinken und auch ein einfaches kanarisches Essen zu sich nehmen, wenn man hungrig ist.

Kurz danach kommt man an einer Reihe beeindruckender hoher Eukalyptus-Bäume vorbei.

Der Eukalyptus ist natürlich ursprünglich nicht hier heimisch, sondern er stammt aus Australien. Wegen des milden Klimas gedeiht er hier jedoch sehr gut.

Man kann die aromatischen Blätter und Früchte der Eukalytusbäume deutlich riechen.

Hinter den Eukalyptusbäumen steht die Casa Efigenia, auch Bar Monatana genannt. Efigenia ist eine alte, rüstige Seniora, die in ihrem Restaurant ein vegetarisches Menü mit traditioneller gomerischer Küche anbietet.

Dieses einfache Menü hat sie weltbekannt gemacht, denn hier kann man noch das ursprüngliche Gomera schmecken.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder hier vorbei. Wer noch nie bei Efigenia gespeist hat, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.

Gegenüber von der Casa Efigneia führt unser Wanderweg aus dem Dorf hinaus.

Erst geht es auf ein orangenes Haus zu und davor rechts auf einem Asphaltsträßchen.

Neben der kleinen Straße wachsen niedrige Apfelbäume.

Die Äpfel sind ähnlich wie unsere mitteleuropäischen Äpfel.

Zur Zeit haben die Baumbesitzer wohl nicht viel Interesse an ihren Früchten, denn zahlreiche Äpfel vergammeln auf dem Boden unter den Bäumchen.

Auch Weinbau wird hier betrieben.

Die Weinstöcke wachsen hier jedoch geduckt in Bodennähe und nicht an Gestellen hochgebunden wie in Mitteleuropa.

Wahrscheinlich trocknen die Pflanzen in Bodennähe weniger leicht aus als in der Höhe. Aber ich bedauere die Ernthelfer, die tiefgebückt die Früchte ernten müssen.

Am Wegrand wachsen viele verdorrte Pflanzengruppen, die ich als kanarischen Alant wiedererkenne (kennengelernt auf einer geführten Wanderung).

Die Blätter dieser Heilpflanze werden von den Gomeros benutzt, um Wunden zu verbinden.

Er hat wohl eine ähnliche Funktion wie bei uns der Spitzwegerich, mit dem man ja auch direkt unterwegs Wunden behandeln kann.

Dieser kanarische Alant ist jedoch nur mittel-entfernt verwandt mit dem bei uns bekannten Alant.

Auf einer anderen Wanderung haben wir ein blühendes Exemplar des kanarischen Alants entdeckt.

Seine gelben Blüten erinnern entfernt an unseren Alant. Aber die gesamte Pflanze und auch die gelben Blüten sind erheblich kleiner als beim echten Alant.

Zerreiben und riechen an den Blättern hat übrigens gezeigt, dass die jungen Blätter deutlich medizinisch riechen und die älteren fast überhaupt keinen Duft mehr haben.

Daraus schließe ich, dass die medizinische Anwendung der Blätter vor allem den jungen, saftigen Blättern gilt.

Nach kurzer Zeit endet die kleine Asphaltstraße und wir kommen auf einen schmalen Wanderweg mit roter Erde.

Hier endet auch die landwirtschaftliche Nutzung.

Der Buschwald beginnt.

Am Wegrand begrüßt uns eine Wald-Bergminze mit hell-violetten Blüten.

Ihre Blätter duftet stark würzig und zeigen die Verwandtschaft zur großen Familie der Minzen.

Bald wir der Weg immer uriger, er ähnelt einem ausgetrockneten Bauchlauf.

Bei starken Regenfällen fließt hier bestimmt ein rauschender Bach zu Tal.

Hier sehen wir ein junges Exemplar der Baumheide.

So klein erinnert die Pflanze noch recht deutlich an unser heimisches Heidekraut.

Doch hier auf Gomera wächst das Heidekraut bis zu 20 Meter hoch und wird zu großen Bäumen, die einen richtigen Wald bilden.

Hier in Dorfnähe, wo der Boden früher noch landwirtschaftlich genutzt wurde, gibt es vorwiegend halbhoe Baumheide-Büsche, doch im Nationalpark, in den wir in Kürze kommen, macht die Baumheide ihrem Namen alle Ehre.

Noch ein duftender Lippenblütler steht am Wegrand: die oreganoblättrige Strauchminze.

Ihre Blätter erinnern deutlich an Oregano, aber ihr Duft zeigt deutlich die Zugehörigkeit zu den Minzen.

Diese Minzenart wurde oder wird von den Gomeros verwendet, wenn sie erkältet sind und Husten haben. Sie ist also eine beliebte Heilpflanze.

Ganz in der Nähe finden wir noch eine Minzenart, diesmal die Bergminze.

Sie sieht aus wie Thymian, riecht aber etwas zitronig und ansonsten eher nach Minze.

Thymian gibt es auf Gomera nicht, aber dafür umso reichlicher von dieser kleinblättrigen Bergminze.

Der Weg führt uns weiter durch den lockeren Buschwald, der die Sonne noch kräftig auf unsere Köpfe scheinen lässt.
Zwischendrin steht aber schon das eine oder andere größere Exemplar der Baumheide.
 

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