Sonnentau


  

Sonnentau Der Sonnentau ist eine hochinteressante Pflanze, die aus dem Reich der Mythen zu stammen scheint.

Seine rundlichen Blätter haben rote Tentakel mit klebrigen Tropfen, an denen Insekten hängenbleiben, von denen sich der Sonnentau ernährt. Die Tatsache, dass der Sonnentau Insekten verspeist, ist jedoch noch gar nicht so lange bekannt.

Viel länger weiß man schon von den Heilkräften des rundblättrigen Sonnentaus. Er wurde schon seit vielen Jahrhunderten als Heilpflanze gegen Husten und Lungenerkrankungen aller Art verwendet.


Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Reizhusten,
Heilwirkung:
antibiotisch,
entzündungshemmend,
krampflösend,
sekretlösend,
reizlindernd,
Anwendungsbereiche:
Asthma,
Bluthochdruck,
Bronchitis,
COPD,
Hauterkrankungen,
Husten,
Keuchhusten,
Krampfhusten,
Verdauungsbeschwerden,

Früher:
Epilepsie,
Tuberkulose,
Psychosen,
Unfruchtbarkeit,
Warzen,

wissenschaftlicher Name:
Rundblättriger Sonnentau: Drosera rotundifolia
Pflanzenfamilie:
Sonnentaugewächse = Droseraceae
englischer Name:
Common Sundew
volkstümlicher Name:
Bauernlöffel, Brockkraut, Brunstkraut, Bullenkraut, Egelkraut, Engelkraut, Fettkraut, Fliegenfalle, Foaste, Frickatau, Frisminit, Gideonswurz, Goldener Widerton, Himmelstau, Immertau, Insektenfressa, Jungfernblut, Jungfernblüte, Jungfernöl, Jungferntröpfle, Kälberblume, Löffelkraut, Mandeln, Marienträne, Perlknöpf, Rossoli, Sindaw, Sinnau, Sinnthau, Sondau, Sonnenbrand, Sonnenlöffel, Stierkraut, Wettertau, Widerton
Verwendete Pflanzenteile:
Kraut (Pflanze geschützt)
Inhaltsstoffe:
Droseron = Plumbagin = Naphthochinonderivate, Gerbstoff, Ameisensäure, Apfelsäure, Essigsäure, Zitronensäure, Bitterstoffe, ätherische Öle, Flavonoide, Anthocyan, roter Farbstoff, Schleimstoffe
Sammelzeit:
Juli und August
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Anwendung

Sonnentau Sonnentau kann man wahlweise als Tee, als Tinktur oder als Fertigpräparat anwenden.

Die häufigste Art, Sonnentau anzuwenden ist traditionell der Tee, aber heutzutage wird der Sonnentau häufiger als Fertigarznei verwendet.

Da der Sonnentau geschützt ist, darf man ihn in der Natur nicht selber sammeln. Man erhält jedoch Sonnentau-Kraut in manchen Kräuter-Handlungen und -Onlineshops. Im Handel wird meistens Sonnentau aus außereuropäischen Ländern angeboten, teilweise auch andere Sonnentau-Arten, die jedoch die gleiche Heilwirkung haben.

Tee

Für einen Sonnentau-Tee übergiesst man einen Teelöffel Sonnentau-Kraut mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen.

Anschliessend abseihen und in kleinen Schlucken trinken.

Von diesem Tee trinkt man ein bis zwei Tassen täglich.

Achtung!
Da der Sonnentau eine starke Wirkung hat, sollte man nicht mehr als zwei Tassen täglich davon trinken. Die Folge einer Überdosierung wäre möglicherweise verstärkter Husten oder gar Atemnot.

Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschliessend kann man wieder sechs Wochen lang Sonnentau-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Sonnentau-Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.

Tinktur

Um eine Sonnentau-Tinktur selbst herzustellen, übergiesst man frischen oder getrockneten Sonnentau in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen.

Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei mal täglich 10-20 Tropfen ein.

Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen. Sonnentau

Fertigpräparate

Vom Sonnentau gibt es zahlreiche Fertigpräparate in Apotheken.

Wahlweise gibt es den Sonnentau als Tinktur beziehungsweise Extrakt oder in homöopathischer Zubereitung. In homöopathischer Form wird der Sonnentau (Drosera) häufig mit anderen geeigneten Mitteln zu zugenannten Komplexmitteln gemischt.

Die jeweiligen Fertigarzneien werden entsprechend dem Beipackzettel angewendet.

Innerlich

Sonnentau kann man innerlich, als Tee, Tinktur oder Fertigmittel vor allem gegen Husten aller Art einsetzen.

Der Sonnentau wirkt in mehrfacher Hinsicht gut bei den meisten Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Er wirkt entkrampfend und schleimlösend, sodass der Hustenschleim gut und entspannt abgehustet werden kann. Quälender Hustenreiz wird gelindert. Außerdem wirkt Sonnentau entzündungshemmend, was hilfreich bei entzündlichen Prozessen in den Atemwegen ist.

Da der Sonnentau zudem eine ausgeprägte antibiotische Wirkung hat, kann er gegen Keuchhusten, Bronchitis und sogar Lungenentzündung oder Tuberkulose eingesetzt werden. Bei diesen schweren Erkrankungen sollte man jedoch in erster Linie die ärztlich verschriebenen Medikamente, z.B. Antibiotika anwenden. Der Sonnentau kann den Heilungsvorgang allenfalls unterstützen.

Ausserdem hilft Sonnentau gegen Störungen der Verdauungsorgane, was jedoch eher unbekannt ist. Manche Menschen verwenden den Sonnentau auch gegen Bluthochdruck.

Hinweis!
Bei der innerlichen Anwendung des Sonnentaus verfärbt sich der Urin grün-braun. Die hängt mit einem erhöhten Eiweißzerfall im Körper zusammen.

Äusserlich

Äusserlich kann man Sonnentau-Tee, verdünnte Tinktur oder Salbe in Form von Umschlägen, Bädern, Waschungen oder einreibungen anwenden.

Mit dieser Art der Anwendung kann man verschiedene Hauterkrankungen lindern.

Homöopathie

Die Homöopathie setzt den Sonnentau unter der Bezeichnung "Drosera" sowohl in niedrigen Potenzen als auch in mittleren Potenzen gegen Husten und andere Erkrankungen der Atemwege ein.

Man verwendet Drosera aber der Urtinktur bis hin zur Potenz D12.

Als typisches Kennzeichen zur Indikation werden nächtliche Hustenanfälle mit Brechneigung und Erstickungsangst angesehen.


Magische Anwendung

Sonnentau Im 13. Jahrhundert wurde der Sonnentau von vielen Alchemisten verwendet, in der Hoffnung, damit Gold herstellen zu können.

Sie verwendeten den Sonnentau jedoch auch, um naheliegendere Ziele zu erreichen, beispielsweise zur Herstellung eines Lebenselixiers oder einer Goldtinktur.

Auch Jäger verwendeten den Sonnentau in magischer Weise. Wenn ein Jäger den Sonnentau mit sich führt, dann soll er beim Schießen immer zuverlässig treffen.

Der Sonnentau wurde im Mittelalter auch von Jedermann als Abwehrzauber verwendet. Wer Sonnentau mit sich führt soll vor Schadenszauber sicher sein.

Man glaubte auch, dass man den Sonnentau verwenden könne, um Gifte zu erkennen. Sonnentau vermischt mit einem Gift solle Glas zerbrechen oder die Flüssigkeit zum Sieden bringen.

Amulette aus Sonnentau sollten bei schweren Geburten helfen. Auch gegen Zahnschmerzen und Psychosen wurden Sonnentau-Amulette verwendet.

Sowohl bei Menschen als auch bei Rindern galt Sonnentau als aphrodisierendes und fruchtbarkeitsförderndes Mittel.


Geschichtliches

Sonnentau Im Altertum wurde der Sonnentau vermutlich noch nicht als Heilpflanze verwendet. Zumindest sind aus dieser Zeit keine medizinischen Beschreibungen des Sonnentaus bekannt. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, weil es den Sonnentau in Griechenland nicht gibt.

Erst im späten Mittelalter finden wir Hinweise auf die Anwendung des Sonnentaus als Heilpflanze.

Im 12. Jahrhundert nutzt Matthäus Platearius von der Schule von Salerno den "herba sole" genannten Sonnentau gegen Husten.

Gegen 1300 erforschte der bekannte Arzt Arnoldus de Villanova die medizinische Wirkung des Sonnentaus. Er produzierte mithilfe des Sonnentaus sein bekanntes "Goldwasser", das nahezu als Allheilmittel galt. Seine Forschungsergebnisse und Schriften wurden jedoch im Rahmen der Inquisition vernichtet.

Im 15. Jahrhundert wurde der Sonnentau im "Hortus Sanitatis" gegen Epilepsie empfohlen. Dazu sollte man morgens auf nüchternen Magen Sonnentau-Saft trinken.

Im 16. Jahrundert wurde der Sonnentau auch gegen die Pest verwendet, vermutlich weil die Pest in dieser Zeit so bedrohlich war, dass alle wirksamen Heilpflanzen als Mittel ausprobiert wurden. Durch seine antibiotischen Wirkungen ist eine Wirkung des Sonnentaus gegen die Pest nicht ganz ausgeschlossen.

In der Neuzeit wurde der Sonnentau von mehreren Kräuterkundigen empfohlen, beispielsweise von Tabernaemontanus oder Prof. Dr. Ossiander. Sie verwendeten den Sonnentau in erster Linie gegen Erkrankungen der Atemwege und teilweise auch gegen Unfruchtbarkeit.

In Schottland wurde der Sonnentau unter dem Namen "lus-na-feàrnaich" als Farbstoff verwendet, um damit die Farbe Purpur zu erzeugen.

Erst im 19. Jahrhundert entdeckte Darwin die fleischfressende Eigenschaft des Sonnentaus. Er beobachtete, dass zahlreiche Insekten in den Tropfen und Ausläufern des Sonnentaus gefangen waren. Nach ausführlichen Beobachtungen und Forschungen kam er zu dem Schluss, dass der Sonnentau eine fleischfressende Pflanze ist.

Im Jahr 1992 war der Sonnentau in Deutschland die Blume des Jahres.



Pflanzenbeschreibung

Sonnentau Der Sonnentau ist fast auf der ganzen Nordhalbkugel heimisch.

Er wächst bevorzugt in Mooren der Höhenlagen. Man findet ihn häufig zusammen mit dem Torfmoos. Auf kalkhaltigem oder trockenem Boden findet man ihn nicht. Der Standort des Sonnentaus ist meisten sehr sonnig, also in offenen Mooren.

Die mehrjährige Pflanze bildet im Winter einen sogenannten Hibernakel, eine Art Winterknospe.

Aus dieser Winterknospe sprießt im Frühjahr eine Rosette, deren Stengel und Blätter in Bodennähe bleiben.

An den Enden der Blattstiele wachsen rundliche Blätter, die mit roten Tentakeln (Drüsenhaare) bewachsen sind. Die roten Tentakel bilden ein Sekret, das an ihrem Ende als durchsichtige Tropfen austritt.

Diese Sekret-Tropfen sehen aus wie Tautropfen, die auch bei Sonnenschein nicht verschwunden, was dem Sonnentau seinen Namen eingebracht hat.


Sonnentau-Blüte Ende Juni wächst aus der Rosette ein bis zu 20 cm hoher Blütenstengel, an dem ab Juli-August in einer Traube bis zu 25 kleine, weiße oder zartrosa Blüten wachsen. Die Blüten werden etwa einen Zentimeter groß. Sie haben fünf Blütenblätter. Die Blüten des Sonnentaus öffnen sich nur bei Sonnenschein. Sie sind eher unscheinbar und wirken vergleichsweise normal im Gegensatz zu den bizarr wirkenden Blättern des Sonnentaus. Daher werden diese Blüten von Laien oft gar nicht zum Sonnentau zugehörig betrachtet.

Aus den Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung Kapseln, in denen die bräunlich-schwarzen Samen heranreifen. Die Samen sind leicht genug, um mit dem Wind an entferntere Orte gebracht zu werden.

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Fleischfressende Pflanze

Sonnentau Die Besonderheit des Sonnentaus ist, dass er eine fleischfressende Pflanze ist.

Diese Tatsache wurde erst im 19. Jahrhundert von Charles Darwin entdeckt.

Die roten Drüsenhaare der Blätter sonndern ein eiweißspaltendes Enzym ab, das die Verdauung der Insekten ermöglicht.

Außerdem ist das Sekret so klebrig, dass Insekten darin kleben bleiben, wenn sie sich auf den Blättern niederlassen.

Die Insekten werden also vom Sekret festgehalten und anschließend verdaut.

So kommt der Sonnentau zu den dringend benötigten Proteinen und Stickstoffen, die in nährstoffarmen Mooren fehlen.

Andere Arten

Vom Sonnentau gibt es zahlreiche Arten.

Viele dieser Arten sind genau so heilkräftig wie der bekannte rundblättrige Sonnentau.

Mittlerer Sonnentau - Drosera intermedia

Die Rosette des mittleren Sonnentaus wächst ein wenig höher als die des rundblätrigen Sonnentaus. Er wird etwa 10 cm hoch und hat eiförmige, längliche Blätter.

Langblättriger Sonnentau - Drosera anglica

Der langblättrige Sonnentau besitzt längliche, linealische Blätter.

Madagaskar Sonnentau - Drosera madagascariensis

Eine Sonnentau-Art, die in Afrika und Madagaskar heimisch ist, wir heutzutage vorwiegend als Heilpflanze geerntet, weil der hiesige rundblättrige Sonnentau geschützt ist.

Der Madagaskar Sonnentau wächst nicht bodennah in einer Rosette, sondern entlang eines Stengels.

Seine Blüten sind rosa bis violett.


Sammeltipps

Sonnentau Da der Sonnentau geschützt ist, darf man ihn nicht in der freien Natur sammeln.

Nur selbst angebauter Sonnentau im eigenen Garten darf geerntet werden.

Der blühende Sonnentau ohne Wurzel wird im Juli oder August gesammelt.

Getrocknet wird er an einer schattigen, luftigen Stelle.

Man kann auch die frische Pflanze als Tinktur ansetzen.



Disclaimer: Frage Deinen Arzt oder Apotheker
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