Rosskastanie


  

Rosskastanie Die Rosskastanie ist ein grosser Baum, der in Parks und an Strassen wächst und dort angesichts seiner Grösse eine dominierende Rolle spielt.

Kinder kennen die Standorte von Kastanien meistens sehr gut, denn dort finden sie im Herbst die rotbraun glänzenden Kastanien, die sich herrlich glatt anfühlen und gut als Bastelmaterial zu verwenden sind.

Rosskastanien haben auch vielfältige Heilwirkungen, von denen die herausragendste die Wirkung auf das Gefässsystem ist. Daher eignet sich die Rosskastanie innerlich und äusserlich gegen Krampfadern, Hämorrhoiden, geschwollene Füsse und auch gegen Arteriosklerose.

Die Rosskastanie wurde vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2008 gekürt.
Die Kastanie wird geehrt, weil sie seit Jahrhunderten eine wichtige Heilpflanze ist, deren Wirkstoffe inzwischen gut untersucht worden sind. Die Samen der Rosskastanie helfen vor allem gegen Venenerkrankungen, wie Krampfadern, weil ihre Wirkstoffe die Wände der Venen abdichten. Auch ihre Wirkung gegen Wadenkrämpfe und schwere Beine ist wichtig, weil diese Gesundheitsbeschwerden sehr verbreitet sind.



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Steckbrief

Haupt-Anwendungen: Krampfadern,
Heilwirkung: adstringierend,
antibakteriell,
blutreinigend,
blutstillend,
entzündungshemmend,
harntreibend,
krampflösend,
schleimlösend,
schmerzstillend,
tonisierend,
Anwendungsbereiche: Augenringe,
Fieber,
Erkältung,
Keuchhusten,
Ödeme,
Kreislauf stärkend,
Arteriosklerose,
Diabetes (unterstützend),
Durchfall,
Magenkrämpfe,
Leberschwäche,
Rheuma,
Gicht,
Ischias,
Nervenschmerzen,
Ausfluss,
Frostbeulen,
Hautprobleme,
Ekzeme,
Geschwüre,
Wunden,
Lupus erythematodes,
Venenerkrankungen,
Venenentzündung,
Offene Beine,
Hämorrhoiden,
Wadenkrämpfe,
Schwere Beine,
Geschwollene Beine,
wissenschaftlicher Name:Aesculus hippocastanum
Pflanzenfamilie:Seifenbaumgewächse = Sapindaceae
englischer Name:Chestnut
volkstümliche Namen:Kastanie, Drusenkesten, Gichtbaum, Kestenbaum, Pferdekastanie, Saukesten, Zierkestenbaum
Verwendete Pflanzenteile:Früchte, Rinde, Blüten, Blätter, Wurzel
Inhaltsstoffe:Aesculin, aescin, Alantoin, Angelinsäure, Bitterstoff, Kampferöl, Cholin, Cyanidin, Farbstoff, Flavone, Flavonglykoside, Fraxin, Gerbstoff, Gerbsäure, Cumarine, Linolensäure, Saponine
Sammelzeit:Rinde: März,
Blüten: Mai,
Samen: September und Oktober



Anwendung

Von der Rosskastanie kann man fast alle Pflanzenteile in der Pflanzenheilkunde einsetzen.

Ihr bekanntestes Einsatzgebiet ist die Stärkung der Venen und dadurch ihre Wirksamkeit gegen Krampfadern und Hämorrhoiden.

Durch den hohen Saponingehalt sollte man die Teile der Rosskastanie nicht in unmässigen Mengen einnehmen, sondern immer wohl dosieren.

Früchte / Samen

Die rotbraunen Samen enthalten als wichtigsten wirksamen Stoff sehr viel Saponin. Aber auch Gerbstoffe, Gerbsäuren und einige besondere Wirkstoffe sind in den Samen der Rosskastanie enthalten.

Man kann die getrockneten und geschnittenen Samen als Tee oder Tinktur einnehmen und zur Stärkung der Blutgefässe anwenden.

Siehe auch:

Rosskastanien-Tinktur und Tee helfen nicht nur gegen Venenschwäche, sondern können auch die Arterien stärken und von Ablagerungen befreien. Ausserdem werden die feinen Kapillaren angeregt, mehr Gewebsflüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe aufzunehmen und zum Herzen zu transportieren, was beispielsweise geschwollene Knöchel abschwellen lässt.

Zusätzlich zur Einnahme werden Rosskastaniensamen oft zu Salben und Cremes verarbeitet, mit denen man die Unterschenkel gegen Krampfadern und Schwellungen einreiben kann.

Siehe:

Ausser der Wirkung auf die Blutgefässe wirken Rosskastaniensamen stärkend und auswurffördernd, was sie zu einem Mittel gegen Husten macht.

Die Samen wirken ausserdem schmerzstillend, weshalb man sie gegen rheumatische und neuralgische Schmerzen verwenden kann.

Ein weiteres Einsatzgebiet sind Katarrhe der Verdauungsorgane und Durchfall. Hierfür kann man ausser Tees und Tinkturen auch zweimal täglich eine Messerspitze mit dem geschälten, getrockneten und gepulverten Samen einnehmen.

Blüten

Die Blüten der Rosskastanie kann man ähnlich einsetzen wie die Samen.

Ein Tee der Blüten wirkt auch besonders gut gegen Husten.

Mit den Blüten kann man auch eine Tinktur ansetzen, die als Einreibung gegen rheumatische Schmerzen hilfreich sein kann.

Siehe auch:

Aus den Knospen bzw. Blüten werden die Bachblüten Chestnut Bud, White Chestnut und Red Chestnut hergestellt.

Blätter

Die Blätter kann man als Tee trinken und gegen Fieber und Keuchhusten einsetzen.

Sie wirken ausserdem stärkend, durchblutungsfördernd und entwässernd.

Rinde

Die Rinde wirkt, innerlich eingenommen, entzündungshemmend, zusammenziehend, harntreibend, fiebersenkend, schmerzlindernd, gefässzusammenziehend und stärkend.

Man kann sie also bei fieberhaften Erkältungen und Entzündungen des Verdauungstraktes einnehmen.

Äusserlich als Waschung, Bad oder Creme wirkt die Rinde einerseits, wie die anderen Teile der Rosskastanie, gegen Venenprobleme, andererseits aber auch hautheilend gegen Ekzeme, Geschwüre und andere Hautprobleme. Sogar gegen Lupus erythematodes setzt die Volksheilkunde Waschungen mit einer Rindenabkochung ein.

Die Rinde enthält das Glykosid Aesculin, das fluoreszierend ist. Wenn man einen Kaltauszug mit der Rinde junger Kastanienzweige macht, kann man sehen, wie die Flüssigkeit leuchtet. Das Aesculin bindet ultraviolettes Licht und wird daher als Sonnenschutzmittel eingesetzt. Ausserdem wirkt es durchblutungsfördernd und Stoffwechsel anregend.

Rosskastanien in der Küche

Die Rosskastanien gelten als nicht essbar, was aber nur teilweise stimmt.

Durch ihren hohen Saponingehalt (8% bis 25%) sind sie der Gesundheit in grösseren Mengen nicht zuträglich, aber man kann die Saponine ausschwemmen und dann kann man die Rosskastaniensamen essen.

Dazu röstet man die Samen bei niedriger Hitze leicht an, schält sie und schneidet sie in dünne Scheiben.

Diese Scheiben werden mehrere Tage lang gewässert in immer wieder erneuertem Wasser (oder in einen sauberen Bach gehängt = traditionelle Methode der nordamerikanischen Indianer).

Anschliessend kann man die Früchte kochen und essen.

Sie enthalten etwa 10% Eiweiss, 5% Fett und 35% Stärke.

Rosskastanien im Haushalt

Wenn man kleingeschnittene Rosskastanien mit kochendem Wasser übergiesst, wird das Wasser seifig. Dieses Wasser kann man zum Waschen des Körpers und von Kleidungsstücken benutzen.

Geschichte

Nachdem die Eiszeit die Rosskastanie aus Mitteleuropa verdrängt hatte, kam sie erst vor einigen hundert Jahren mit den Osmanen wieder nach Mittel- und Westeuropa.

Die Osmanen führten Kastanien als Pferdefutter mit sich und hin und wieder fiel eine zu Boden und entwickelte sich zu einem Baum.

Die zufällig ausgesäten Bäume gefielen offenbar vielen Menschen, denn im Laufe der Zeit wurde die gross wachsende Rosskastanie zu einem beliebten Baum in grossen Parks und als dominante Begrünung in Städten.

Im Jahr 1576 wurde die Rosskastanie erstmals offiziell in Wiener Gärten angepflanzt. Carolus Clusius, der kaiserliche Direktor der botanischen Gärten in Wien setzte sich für diese Anpflanzungen ein.

Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. liebte die wuchtige Kastanie so sehr, dass er sie überall anpflanzen liess, vor allem als Allee und in seinen Schlossgärten.

Diese Mode setzte sich fort und daher findet man auch noch heutzutage überall zahlreiche Kastanienbäume.

Besonders gerne wurden Kastanien auch über den Gewölbekellern von Bierbrauereien angepflanzt, weil ihre Wurzeln nicht sehr tief reichen und die üppigen Kronen reichlich kühlen Schatten spenden. Dadurch wurden die Bierkeller zusätzlich kühl gehalten, was der Bierqualität zugute kam. So kommt es, dass der typische Baum in Biergärten die Kastanie ist.

In der Volksheilunde wurde die heilkräftige Wirkung der Rosskastanie schon früh erkannt.

In grossen Kräuterbüchern trat die Rosskastanie jedoch erst im 16. Jahrhundert auf, beispielsweise bei Pietro Andrea Mattioli (1554) und Adam Lonitzer (1557).

Heutzutage werden zahlreiche Venensalben mit Rosskastanienextrakten zur Behandlung gegen Krampfadern im Handel angeboten.

Als Baum war die Rosskastanie im Jahr 2005 der Baum des Jahres.

Im Jahr 2008 ist die Rosskastanie die Arzneipflanze des Jahres.




Pflanzenbeschreibung

Der Rosskastanienbaum kommt ursprünglich aus Indien, Zentralasien und Südosteuropa. Da er aber nicht nur schön aussieht, vor allem in der Blütezeit, sondern auch schmutzige Luft und Abgase gut verträgt, hat er sich als Stadtbaum in Europa stark verbreitet.

Der Baum wird bis zu 30 m hoch.

Er hat grosse Blätter, die aus sieben Teilen fingerartig zusammengesetzt sind.

Im Mai blüht die Rosskastanie mit beeindruckend prächtigen Blüten. Sie stehen wie dicke Kerzen aufrecht auf den Zweigen und bestehen aus vielen Teilblüten.

Im Herbst wachsen daraus die Kastanienfrüchte, die in einer stacheligen grünen Schale sitzen.

Die Früchte (Samen) sind etwa drei bis fünf Zentimeter gross und rundlich. Sie haben eine glänzende rotbraune Farbe. Sie fühlen sich angenehm glatt an.

Diese Samen werden von Kindern sehr gerne zum Basteln benutzt, was dazu führt, dass die Rosskastanie den meisten Menschen schon in früher Kindheit bekannt wird.



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