Quendel


  

Quendel Der Quendel ist der wilde Bruder des Thymians. Er ist in Mitteleuropa heimisch und wächst an Stellen, die anderen Pflanzen zu trocken, steinig und sonnig sind.

Dort an steinigen Plätzen, auf die die Sonne knallt, bildet der Quendel ganze Teppiche, die im Sommer rosafarben blühen und schon von weitem herbwürzig duften.

In der Pflanzenheilkunde kann man den Quendel sehr ähnlich einsetzen wie den Thymian. Er hilft gegen Husten, stärkt die Verdauung und lindert Frauenbeschwerden. Auch gegen entzündliche Hautprobleme und Gelenkschmerzen kann man diese vielfältige Heilpflanze verwenden.



Steckbrief

Heilwirkung:

Eigenschaften

antibakteriell,
beruhigend,
blutstillend,
entzündungshemmend,
krampflösend,
schleimlösend,
schweisstreibend,

Atemwege

Bronchitis,
Husten,
Keuchhusten,
Reizhusten,
Hustenkrampf,
Asthma,
Erkältung,
Halsentzündung,
Heiserkeit,
Luftröhrenkatarrh,

Verdauungssystem

Verdauungsschwäche,
Sodbrennen,
Blähungen,
Magenbeschwerden,
Durchfall,
Mundgeruch,

Frauenheilkunde

Menstruations fördernd,
Unterleibskrankheiten,
Periodenkrämpfe,
Geburts erleichternd,
Wechseljahrsbeschwerden,

Nervensystem

Nervenschwäche,
Schlaflosigkeit,
Epilepsie,

Bewegungsapparat

Verstauchungen,
Verrenkungen,
Quetschungen,
Gelenkschmerzen,

Haut

Schlecht heilende Wunden,
Entzündete Wunden,
Ekzeme,
Gesichtsrose,
Erysipel,
Gürtelrose,
wissenschaftlicher Name:Thymus serpyllum
Pflanzenfamilie:Lippenblütler = Lamiaceae
englischer Name:Wild Thyme
volkstümlicher Name:Feld-Thymian, Sand-Thymian, Betony, Feldbulla, Feldkümmel, Feldpoley, Geismajoran, Geschwulstkraut, Grundling, Hollaien, Hühnerbolle, Immenkraut, Keale, Kinderkraut, Kounala, Kranzlkraut, Kudelkraut, Kückenkümmel, Kundenkraut, Kunderle, Liebfrauenbettstroh, Marienbettstroh, Quandl, Quenula, Rainbadkraut, Rainkinderle, Rauschkraut, Rainkümmel, Violetter Bohler, Wilde Meron, Wilder Thymian, Wilder Zimt, Wurstkraut,
Verwendete Pflanzenteile:Blätter, Kraut
Inhaltsstoffe:Ätherische Öle, Bitterstoff, Borneol, Carvacrol, Citronellol, Flavone, Gerbstoff, Gerbsäure, Geraniol, Camphen, Pinen, Terpineol, Thymol
Sammelzeit:Mai bis September
Fotos vom Quendel


Anwendung

Quendel

Atmungsorgane

Der wichtigste Einsatzbereich des Quendels sind Erkrankungen der Atmungsorgane.

Durch seine antibiotischen und entzündungshemmenden Eigenschaften bekämpft der Quendel Husten und Erkältungen, die durch Krankheitserreger verursacht wurden.

Die krampflösende Eigenschaft hilft gegen Spasmen beim Husten, was den Quendel auch gut gegen Keuchhusten, Reizhusten und Asthma wirken lässt.

Ausserdem löst der Quendel den Schleim, der dadurch besser abgehustet werden kann.

Verdauung

Der Quendel regt die gesamte Verdauung an. Daher eignet er sich auch als Gewürz für schwer verdauliche Gerichte.

Auch bei Blähungen und Sodbrennen kann der Quendel helfen.

Frauenheilkunde

Vor allem die Volksheilkunde betrachtet den Quendel als ein Frauenkraut.

Durch seine krampflösende Fähigkeiten kann der Quendel Menstruationskrämpfe lindern.

Er kann auch die Menstruation fördern und den Zyklus regulieren.

Die Geburt kann durch Quendel erleichtert werden. Darauf deuten auch die Namen Kinderkraut, Liebfrauenbettstroh und Marienbettstroh hin. Mit Quendel und anderen "Bettstroh"-Kräutern wurden früher die Matratze von Wöchnerinnen ausgestopft, um ihnen die Zeit nach der Geburt und den Lebensstart für das Baby zu erleichtern.

Achtung!

Quendel sollte nicht in grossen Mengen in der Schwangerschaft verwendet werden.

Nervensystem

Der Quendel gilt auch als Heilpflanze für das Nervensystem.

Er soll Einschlafstörungen lindern können.

Früher wurde er auch gegen Epilepsie eingesetzt.

Tee

Gegen Husten, Verdauungsprobleme, Frauenkrankheiten und Nervenschwäche hilft der Quendel am besten in Form eines Tee-Aufgusses. Dazu übergiesst man einen Teelöffel Quendelkraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser und lässt den Tee fünf bis zehn Minuten ziehen. Man kann den Tee mit Honig süssen, um die Wirkung noch zu verstärken.

Diesen Tee trinkt man in kleinen Schlucken und lässt auch den Dampf des Tees auf sich wirken.

Äusserlich

Äusserlich kann man den Quendel gegen die Folgen kleiner Unfälle, wie Quetschungen und Prellungen anwenden und auch gegen Wunden und Hautentzündungen.

Für Einreibungen kann man eine Quendel-Tinktur ansetzen und verwenden.

Mit Quendeltee kann man Bäder durchführen oder Waschungen und Umschläge.

Küche

Quendel ist ein kräftiges Gewürz für die mediterrane Küche, ähnlich wie sein kultivierter, südländischer Bruder Thymian.

Bei schweren Fleischgerichten erleichtert er die Verdauung. Auch Gemüsegerichten und Suppen verleiht der Quendel ein würziges Aroma.



Geschichtliches

Quendel Obwohl der Quendel in Mitteleuropa heimisch ist und das Mittelmeer eher die Heimat des Thymians ist, berichtet in der Antike schon Plinius Secundus vom Quendel, den er als "Serpyllum" bezeichnet, was heute noch sein wissenschftlicher Artname ist. Plinius schreibt, dass der Quendel schon 200 v. Chr. ein Teil des berühmten Theriaks gewesen sein soll, ein Heiltrank, der gegen Gifte aller Art schützen sollte.

Im Sizilien des Altertums wurde der Quendel zusammen mit Rosen der Göttin geopfert um die Liebe zu fördern.

Die Germanen weihten den Quendel der Göttin Freya.

Später wurde er zum Marienkraut umdefiniert, wie es so vielen Heilpflanzen der Frauenheilkunde erging.

Auch Hildegard von Bingen erwähnt den Quendel unter der Bezeichnung "Quenula".

Das Volk glaubte auch lange, dass der Quendel Dämonen abwehren könnte. Kränze aus Quendel wurden geweiht und in Stall und Haus gehängt, um Blitze und böses Geister abzuwehren.




Pflanzenbeschreibung

Quendel Der Quendel ist in Mitteleuropa heimisch. Er ist ein naher Verwandter des Thymians, der eher in südlicheren Gefilden wächst.

Auch wenn der mehrjährige Quendel nach Mitteleuropa gehört, liebt er dennoch trockene und warme Standorte. Er ist anspruchslos, was die Nährstoffe angeht, darum gedeiht er gut an steinigen Stellen. Je nach Standort hat er eine unterschiedliche Gestalt. Man hat über zwanzig Unterarten identifiziert.

Eine lange Wurzel reicht beim Quendel in den Boden. Von dort aus breitet sich eine Pflanze bis zu einem Quadratmeter aus und bildet einen würzig duftenden Teppich.

Die Ausläufer des Quendels kriechen über den Boden und lassen niedrige, beblätterte Triebe nach oben steigen. Meistens wird der Quendel nur 10 cm hoch, in Ausnahmefällen kann er sich aber bis zu 60 cm über den Boden erheben.

Die Blätter des Quendels sind sehr klein und schmal oval. Sie sind relativ hart und duften ausgeprägt balsamisch.

Ab Mai blüht der Quendel mit rosafarbenen bis violetten Blüten, die in Kugeln oder Ähren stehen.

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Anbautipps

Man kann den Quendel aus Samen ziehen oder man verwendet Teilausläufer, die an der Stelle des Bodenkontakts kleine Wurzeln gebildet haben.

Der Quendel gedeiht gut im Steingarten oder an anderen geschützten Stellen, die sonnig und eher trocken sind.



Sammeltipps

Man sammelt das blühende Kraut ohne Wurzel und ohne verholzte Teile.

Der Quendel muss sehr schonend und mit möglichst wenig Berührung getrocknet werden.

Am besten legt man ihn einschichtig an einen warmen, schattigen Platz.


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