Meisterwurz


  

Meisterwurz


Im späten Mittelalter galt die Meisterwurz als Allheilmittel, wie man unschwer am Namen erkennen kann.

Sie war hochverehrt und wurde nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch als Zauberwurzel eingesetzt.

Später geriet die Meisterwurz in Vergessenheit, möglicherweise, weil man sie so leicht mit anderen Doldenblütlern verwechseln kann. Erst als Hildegard von Bingen und ihre Kräutermedizin wiederentdeckt wurde, stieg auch wieder das Interesse an der Meisterwurz, die von Hildegard möglicherweise sehr geschätzt wurde.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Husten,
Heilwirkung:
antibakteriell,
beruhigend,
blähungswidrig,
harntreibend,
schleimlösend,
tonisierend,
Anwendungsbereiche:
Abszesse,
Asthma,
Blähungen,
Bluthochdruck,
Bronchitis,
Erkältungen,
Epilepsie,
Fieber,
Gallenprobleme,
Gebärmutterkrämpfe,
Geschwüre,
Gicht,
Grippe,
Heuschnupfen,
Leberschwäche,
Magenprobleme,
Ödeme,
Rheuma,
Wassersucht,
Wechseljahrsbeschwerden,
Wunden,
Zahnfleischbluten,
Zahnschmerzen,
Zungenlähmung,
wissenschaftlicher Name:
Peucedanum ostruthium (oder Imperatoria struthium)
Pflanzenfamilie:
Doldenblütler = Apiaceae
englischer Name:
Masterwort
volkstümlicher Name:
Anstrenze, Beizenkraut, Beizichrut, Bergwurz, Durstwurz, Haarstrang, Haischwurz, Horstminze, Kaiserwurzel, Magisterwurz, Ostrutwurz, Rauschwurz, Sirenenwurzel
Verwendete Pflanzenteile:
Wurzel, Wurzelstock
Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Gummi, Harz, Imperatorin, Kumarine, Furocumarine, Ostin, Ostruthin, Ostrutol, Oxipeucedanin, Peucedanin, Stärke
Sammelzeit:
März bis April, September bis Oktober



Anwendung

Meisterwurz

Die Meisterwurz kann man ähnlich einsetzen wie die Engelwurz (Angelika).

Man kann einen Tee kochen oder sie als Tinktur verwenden.

Auch einen Wein kann man mit der Meisterwurz aufkochen und ihn dann gegen verdorbenen Magen einnehmen.

Tee

Für einen Meisterwurz-Tee übergießt man ein bis zwei Teelöffel Meisterwurz mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen.

Anschließend abseihen und den Meisterwurztee in kleinen Schlucken trinken.

Von diesem Tee trinkt man ein bis drei Tassen täglich.

Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Meisterwurz-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Meisterwurz-Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.

Tinktur

Um eine Meisterwurz-Tinktur selbst herzustellen, übergießt man Meisterwurz in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen.

Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein.

Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

Die Tinktur wird zur Stärkung der Verdauung verwendet und bei Erkältungskrankheiten. Wenn Beschwerden durch die Wechseljahre besonders frühzeitig einsetzen, kann Meisterwurz-Tinktur sie lindern.

Die Meisterwurz-Tinktur kann man auch verwenden, um bei Zahnfleischbluten das Zahnfleisch abzutupfen.

Auch für die anderen Anwendungsgebiete der Meisterwurz kann man die Tinktur innerlich oder äußerlich anwenden.

Dampfbad

Bei Husten und Bronchitis kann man ein Dampfbad mit der Meisterwurz durchführen.

  • Dazu gibt man ein bis zwei Esslöffel fein geschnittene Wurzelstücke der Meisterwurz in eine hitzefeste Schüssel und übergießt sie mit etwa 1 Liter kochendem Wasser.
  • Die Schüssel stellt man auf einen Tisch.
  • Dann beugt man sich über die dampfende Schüssel und zieht ein großes Handtuch über Kopf und Oberkörper, damit der Dampf erhalten bleibt.
  • Der heiße Dampf wird 10 bis 15 Minuten lang inhaliert.
  • Anschließend trocknet man sich gründlich ab.

Breiumschlag mit Wurzelbrei

Mit Meisterwurz-Pulver kann man einen Breiumschlag zubereiten.

  • Dazu gibt man etwas warmes Wasser zu dem Meisterwurz-Pulver und macht daraus einen Brei.
  • Diesen Brei gibt man auf schlecht heilende Wunden, Geschwüre oder Abszesse.
  • Dann legt man eine Kompresse auf den Brei und fixiert den Breiumschlag mit einer Mullbinde oder Pflaster.


Wirkung

Meisterwurz

Dank der ätherischen Öle wirkt die Meisterwurz schleimlösend und erleichtert die Atmung.

Die antibakterielle Wirkung hilft dabei, bakterielle Bronchitis abzuheilen. Die gleiche Wirkungsweise hilft auch bei schlecht heilenden Wunden, Entzündungen und anderen bakteriellen Infektionen.

Unter anderem durch die Bitterstoffe und die ätherischen Öle wird die Verdauung angeregt und die Gallensaftproduktion gefördert. Blähungen werden gelindert.

Nebenwirkungen

Aufgrund der Furocumarine kann der Hautkontakt mit der Meisterwurz bei empfindlichen Menschen hautreizend wirken.

Daher sind auch allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen.



Magische Anwendung

Meisterwurz

Das Räuchern mit der Wurzel sollte Hexen vertreiben. In Tirol wurde zu diesem Zweck traditionell in der Weihnachtszeit mit der Meisterwurzel geräuchert.

Wenn man die Wurzel mit sich trägt, soll das Kraft verleihen. Sowohl die Körperkraft als auch die Willenskraft sollen gestärkt werden.

Kühe und Pferde fütterte man unter anderem mit der Meisterwurz, um sie zu beruhigen.



Geschichtliches

Meisterwurz

In der Heilkunde der Antike war die Meisterwurz unbekannt, wahrscheinlich, weil sie eine Alpenpflanze ist und nicht in den Mittelmeerländern heimisch ist.

Ob Hildegard von Bingen die Meisterwurz kannte, ist heute umstritten. Möglicherweise ist mit der Pflanze, die sie als Astrencia kannte, nicht die Meisterwurz, sondern die Große Sterndolde gemeint.

Ab spätestens 1560 ist die Meisterwurz jedoch als Heilpflanze bekannt und wird sehr geschätzt.

Man verwendete sie seit damals bis ins 19. Jahrhundert in vielerlei Anwendungen, unter anderem auch als Teil von Universalheimitteln, z.B. im Orvietan, einer späten Abwandlung des Theriaks. Beliebt waren Salben, Tinkturen, Pulver, Pillen, Abkochungen und Tees aus der Meisterwurz.

Am Namen Meisterwurz kann man auch erkennen, wie sehr die Pflanze einst geschätzt wurde. Für einige Jahrhunderte galt sie sogar als Allheilmittel.

Weil sie jahrhundertelang auch gerne in Gärten angebaut wurde, gibt es auch im Mittelgebirge oder Flachland manchmal wild wachsende Exemplare der Meisterwurz. Diese entkamen vor geraumer Zeit den Gärten der Anwohner.




Pflanzenbeschreibung

Meisterwurz

Die Meisterwurz wächst in den Alpen, Pyrenäen und anderen Gebirgen Mitteleuropas.

Sie gehört zur Familie der Doldenblütler und ähnelt der Engelwurz.

In der Antike am Mittelmeer war die Meisterwurz gänzlich unbekannt, das deutet darauf hin, dass sie dort nie wuchs.

In Mitteleuropa hat sie sich hingegen stark verbreitet, wohl weil sie im Mittelalter in vielen Gärten angebaut wurde und dann verwildert ist.

Sie bevorzugt Bachufer und feuchte Wiesen über 1.000 Höhenmetern, um zu wachsen. Auch an Stellen, wo der Schnee im Frühling noch lange liegen bleibt, gedeiht die Meisterwurz gut. Besonders häufig findet man die Meisterwurz auf den sogenannten Hochstaudenfluren.

Meisterwurz


Die Meisterwurz wird bis zu 90 cm hoch. Sie hat eirunde, dreilappige Blätter, die an der Spitze eingekerbt sind.

Ihre Blüten sind flache, weiße oder zartrosa Dolden, die im Juli bis August aufblühen.

Achtung! Bei Menschen mit empfindlicher Haut, kann der Kontakt mit der Meisterwurz Wiesendermatitis auslösen.


Anbautipps

Meisterwurz

Da die Meisterwurz eine Gebirgspflanze ist, gedeiht sie nicht immer an besonders warmen Standorten in der Ebene. In kühleren Gegenden oder im Mittelgebirge sind die Chancen besser, dass sich die Meisterwurz wohl fühlt.

Die Meisterwurz braucht einen feuchten möglichst humosen Standort in der Sonne oder im Halbschatten.

Am einfachsten ist die Vermehrung durch Teilung der Wurzelstöcke im Herbst.

Man kann im Handel auch fertige Pflanzen kaufen.

Die Anzucht mit Samen ist mühsam, weil die Meisterwurz ein Kaltkeimer ist und die Samen daher eine Kältephase brauchen, bevor sie keimen. Aber selbst mit ausreichend Kälte keimen sie nur zögernd.



Sammeltipps

Meisterwurz

Achtung! In manchen Gegenden ist die Meisterwurz geschützt und darf nicht geerntet werden.

Da die Meisterwurz sehr leicht mit anderen Doldenblütlern, unter anderem dem hochgiftigen Schierling, verwechselt werden kann, sollte man sie nur sammeln, wenn man sich mit der Bestimmung absolut sicher ist.

Die ganze Pflanze und vor allem der Wurzelstock riechen stark würzig und aromatisch. Der Duft liegt zwischen Engelwurz und Sellerie. Im Vergleich dazu riecht der Schierling eher nach Mäuseharn!

Im späten Herbst oder zeitigen Frühjahr kann man den Wurzelstock ausgraben. Teile davon belässt man am besten in der Erde, damit die Pflanze später wieder neu austreiben kann.

Nach der Ernte werden die Wurzelteile gewaschen, geschnitten und an einem trockenen und schattigen Ort getrocknet.




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