Kümmel

(Carum carvi)


  

Kümmel

Den Kümmel kennt man vor allem als Gewürz in der Küche.

Er ist jedoch auch eine wertvolle Heilpflanze, die eine starke Wirkung auf die Verdauungsvorgänge hat. Auch bei Husten und Frauenbeschwerden kann der Kümmel helfen.

Der Kümmel ist eine klassische Pflanze der Mittelmeerländer und der Klostergärten. Aber er wächst auch wild auf heimischen Wiesen und an Wegrändern.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen: Blähungen,
Heilwirkung: anregend,
antibakteriell,
appetitanregend,
auswurffördernd,
blähungswidrig,
durchblutungsfördernd,
entspannend,
erfrischend,
fungizid,
galletreibend,
keimhemmend,
krampflösend,
menstruationsfördernd,
milchbildungsfördend,
verdauungsfördernd,
Anwendungsbereiche: Appetitlosigkeit,
Darmkrämpfe,
Dreimonatskoliken,
Fettverdauungs-Probleme,
Gallebeschwerden,
Geburt,
Husten,
Koliken,
Leberschwäche,
Magenkrämpfe,
Mundgeruch,
Nervöse Herzbeschwerden,
Periodenkrämpfe,
Reizmagen,
Rheuma,
Roemheld Syndrom,
Völlegefühl,
Zahnschmerzen,
Verdauungsschwäche,
wissenschaftlicher Name:Carum carvi, Carum officinale, Carum aromaticum, Apium carvi, Foeniculum carvi
Pflanzenfamilie:Doldenblütler - Apiaceae
englischer Name:Caraway
andere Namen:Brotkümmel, Chümi, Echter Kümmel, Feldkümmel, Garbe, Kämen, Karbei, Karbensamen, Karve, Kimm, Köm, Kömmel, Komm, Kramkümmel, Kümm, Kümmich, Kümmrich, Kumach, Mattenkümmel, Polnischer Hafer, Wiesenkümmel
Verwendete Pflanzenteile:Früchte (Samen), Blätter, Wurzel
Inhaltsstoffe:Ätherische Öle: Carvon, Carveol, Limonen, Myrcen, Pinen; Fettsäuren, Gerbstoffe, Flavonoide, Kaffeesäure, Cumarine, Harze
Sammelzeit:Juli bis August



Anwendung

Kümmel

Kümmel kann man wahlweise als Tee, Tinktur, Kräuterwein oder Pulver zum Einnehmen anwenden. Man kann die Samen auch einfach kauen. Und natürlich kann man den Kümmel in der Küche als verdauungsförderndes Gewürz anwenden.

Die häufigste Art, Kümmel als Heilpflanze anzuwenden ist der Tee.

Tee

Für einen Kümmel-Tee übergießt man ein bis zwei Teelöffel leicht zerstoßene Kümmel-Samen mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen.

Alternativ kann man auch eine sanfte Abkochung mit dem Kümmel machen.

Anschließend abseihen und den Kümmeltee in kleinen Schlucken trinken.

Von diesem Tee trinkt man ein bis drei Tassen täglich.

Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Kümmel-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Kümmel-Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.

Teemischung gegen Verdaungsschwäche und Blähungen

Der Kümmel gehört zusammen mit seinen engen Verwandten zu den carminativen Heilpflanzen. Das heißt sie fördern die Verdauung und lindern Blähungen.

Besonders gut wirken die carminativen Doldenblütler zusammen in einer Teemischung.

Man kann die Teemischung folgendermaßen zusammenstellen:

  • 40 gr Kümmel-Samen
  • 20 gr Koriander-Samen (Früchte)
  • 20 gr Fenchel-Samen
  • 20 gr Anis-Samen

Von dieser Mischung nimmt man ein bis zwei Teelöffel für eine große Tasse Tee. Dann macht man damit eine sanfte Abkochung.

In dieser Mischung ist der Kümmel die Heilpflanze mit der stärksten Wirkung.

Fenchel und Anis fördern den Wohlgeschmack der Teemischung.

Eine ähnliche Teemischung finden Sie auch unter Teemischung: Blähungs-Tee (Carminativum)

Kümmel

Tinktur

Um eine Kümmel-Tinktur selbst herzustellen, übergießt man Kümmel in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 10 bis 15 Tage ziehen.

Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man bei Bedarf 10-50 Tropfen ein.

Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

Kümmel-Wein

Beliebt ist auch der Kümmelwein.

So stellt man ihn her:

  • Vermischen Sie 100 gr Kümmelsamen und 1 Liter Weißwein.
  • Kochen Sie die Mischung auf.
  • Filtern Sie den Kümmelwein ab und füllen ihn in eine Flasche.
  • Trinken Sie bei Bedarf ein kleines Glas davon.

Pulver

Von gepulvertem Kümmel kann man eine Messerspitze einnehmen.

Kauen

Wer will, kann die Kümmelsamen einfach kauen.

Diese Form der Anwendung eignet sich besonders, um Mundgeruch zu bekämpfen.

Vollbad

Ein Vollbad, in das man einen Liter starken Kümmeltee gibt, wirkt erfrischend und belebend.

Es eignet sich, um die Müdigkeit nach einem anstrengenden Tag zu vertreiben, wenn man anschließend noch munter sein will.

Küche

Der Kümmel ist aus der Küche kaum wegzudenken. Viele Gerichte erzwingen den Kümmel geradezu, beispielsweise manche Kohlgerichte.

Auch viele Brote werden mit Kümmel zubereitet. Es gibt auch Quark- und Käse-Sorten mit Kümmel.

Kümmel ist immer gut, um die Verdauung von schwerverdaulichen Speisen zu erleichtern.

Wenn man die ganzen Samen zum Kochen verwendet, stößt der Kümmel nicht immer auf Gegenliebe, denn es kann zu intensiv sein, wenn man beim Essen plötzlich einen Kümmelsamen zerbeißt und sich das intensive Aroma auf einen Schlag im Mund entfaltet. Besser ist es, wenn man gemahlenen Kümmel verwendet, denn dann verteilt sich das Aroma verträglich auf die gesamte Speise.

Man kann auch Kümmel-Blätter in der Küche verwenden, beispielsweise in Salat oder in Suppen. Man kann sie ähnlich wie Petersilie oder Dil verwenden.

Die Wurzel kann man, ähnlich wie Petersilienwurzel, als Gemüse kochen. Die Kümmelwurzel schmeckt und riecht ähnlich wie die Kümmelsamen, ist insgesamt aber milder.



Wirkung

Kümmel

Der Kümmel ist das stärkste Karminativum, das wir in der mitteleuropäischen Pflanzenheilkunde kennen.

"Karminativum" (auch "Carminativum") bedeutet, dass es gegen Blähungen hilft. Es löst Krämpfe in den Verdauungsorganen und hiflt dabei, überflüssige Luftansammlungen auszuscheiden.

Für die carminative Wirkung des Kümmels ist vor allem das ätherische Öl Carvon verantwortlich. Die anderen ätherischen Öle und Substanzen im Kümmel unterstützen diese Wirkung.

Außer der karminativen hat der Kümmel auch noch andere Wirkungen.

Er regt den Appetit an und den Auswurf von Hustenschleim. Die Durchblutung, die Menstruation und die Verdauung werden gefördert.

Sowohl Bakterien als auch Pilze werden bekämpft.

Kümmel lockert das Gewebe, sodass die Geburt leichter erfolgen kann. Zudem wirkt er krampflösend, sodass die Wehen leichter ertragen werden.

Die Kommission E empfiehlt Kümmel gegen Blähungen, Völlegefühl und dyspeptischen Beschwerden.

Nebenwirkungen

Das ätherische Öl kann die Haut reizen.

Manche Menschen reagieren allergisch auf Kümmel.



Anwendungsgebiete

Kümmel

Verdauungsprobleme

Verdauungsprobleme aller Art sind die Haupteinsatzgebiete des Kümmels.

In erster Linie verwendet man den Kümmel gegen Blähungen, Darmkrämpfe und Magenkrämpfe.

Man kann ihn aber auch beispielsweise bei Appetitmangel, Problemen mit der Fettverdauung, Gallenschwäche und dergleichen nutzen.

Er hilft auch beim Roemheldsyndrom, das sind Herzschprobleme, die entstehen, wenn durch Blähungen der übervolle Bauch von unten gegen das Herz drückt. Die Symptome des Roemheld-Syndroms können der Angina Pectoris ähneln, haben aber mit echten Herzproblemen nichts zu tun.

Mundgeruch

Gegen Mundgeruch kann man Kümmelsamen kauen.

Auch gegen Zahnschmerzen kann das Kauen von Kümmelsamen ein wenig helfen.

Alkoholismus

Starker Kümmeltee soll Alkoholikern dabei helfen, auf das Trinken zu verzichten, besagt zumindest die russische Volksheilkunde.

Frauenbeschwerden

Für Frauen kann der Kümmel in mehrerer Hinsicht heilsam sein.

Er hilft gegen schmerzhafte Periode, vor allem bei jungen Mädchen.

Er fördert die Geburt, indem er die Weichteile auflockert. Durch die entkrampfende Wirkung erleichtert er die Wehen.

Wenn das Baby geboren ist, unterstützt der Kümmel, duch die Mutter eingenommen, die Milchbildung. Außerdem hilft er gegen Blähungen des Babies, wenn er über die Muttermilch von ihm aufgenommen wird.

Koliken bei Säuglingen

Wenn ein Baby stark unter Blähungen leidet, kann Kümmel ihm helfen, besser noch als Fenchel.

Fenchel und Anis schmecken jedoch angenehmer, sodass sie häufiger gegen Baby-Blähungen verwendet werden. Man kann dem Fencheltee jedoch etwas Kümmel beifügen.

Mit einem guten Pflanzenöl und ein bis zwei Tropfen ätherischem Kümmelöl kann man ein Duftöl zum Einreiben machen. Mit diesem Öl reibt man den angeschwollenen Babybauch ein, wenn es unter Blähungen leidet. Man reibt den Bauch mit warmen Händen sanft im Uhrzeigersinn ein. Auf Wunsch kann man auch eine Mischung aus ätherischem Kümmelöl und Lavendelöl mit dem Pflanzenöl mischen. Insgesamt darf man aber nur sehr wenig ätherisches Öl verwenden, damit die zarte Babyhaut nicht gereizt wird.



Magische Anwendung

Kümmel gilt als Mittel, um Kinder vor bösen Geistern zu schützen. Beispielsweise stellt man einen Topf mit gekochtem Kümmel unters Babybett, wenn die Kleinen unruhig schlafen. Diese Anwendung ist nur bedingt magisch, denn die ätherischen Öle des Kümmels wirken entkrampfend und können Blähungen kleiner Kinder lindern. Heutzutage würde man für die gleiche Aufgabe wohl eher eine Duftlampe mit Kümmelöl aufstellen oder ein Duftsäckchen ins Bett oder Zimmer legen.

Der Kümmel dient auch als Liebesmittel, entweder, um einen neuen Partner kennenzulernen oder um die Treue des vorhandenen Partners zu stärken. Dazu füllt man einen kleinen Beutel mit Kümmelsamen und trägt ihn als Talisman.

Als Gewürz in Speisen soll der Kümmel aphrodisierend wirken.



Geschichtliches

Schon vor 5.000 Jahren wurde der Kümmel offenbar als Gewürz und vielleicht auch als Heilpflanze verwendet. Er wurde nämlich bei Ausgrabungen von Pfahlbauten entdeckt.

Im Grab von Tutenchamon (ca. 1330 v.Chr.) fand man Kümmel-Samen.

Dioskurides schrieb im 1. Jahrhundert über den Kümmel (deutsche Übersetzung von 1610):

"Kümmel wärmet und treibt den Harn, ist dem Magen gut, macht einen süßen und lieblichen Atem, hilft der Däwung (Verdauung?), wirkt unter den Arzneyen, die wider das Gicht einzunehmen sind, vermischt, auch ist er gut mit dem, das in Essig eingemacht und behalten wirdt."

Auch Plinius der Ältere erwähnte den Kümmel schon im Altertum.

Im Mittelalter spielte der Kümmel eine wichtige Rolle.

Das sieht man auch daran, dass Karl der Große (747 bis 814) den Kümmel in der Liste der Heilpflanzen in der Schrift "Capitulare de villis vel curtis imperii" aufgeführt. Diese Pflanzenliste war Teil einer Verordnung, die vorschrieb, wie die königlichen Landgüter bestellt werden sollten. Er ist also Teil der sogenannten Karlsgärten. Die Heilpflanzenliste mit 73 Pflanzen zeigen deutlich, welche Heilkräuter damals als besonders wichtig betrachtet wurden.

Heutzutage wird der Kümmel in vielen Ländern als Gewürz angebaut. Hauptanbaugebiete sind Ägypten und Osteuropa. Aber auch in den Niederlanden und Deutschland wird Kümmel angebaut.




Pflanzenbeschreibung

Kümmel

Kümmel ist im Mittelmeerraum und Vorderasien heimisch. Er wächst aber auch in Mitteleuropa wild. Sein Verbeitungsgebiet reicht bis nach Sibirien.

Der Kümmel wächst bevorzugt auf Wiesen und an Wegrändern. Man findet ihn vor allem im Hügelland und Gebirge.

Die zweijährige Pflanze wird bis zu 80 Zentimeter hoch.

Der sparrig verzweigte Stengel ist kahl.

Die Blätter sind besonders fein gefiedert und die einzelnen Fiederblättchen sind sehr dünn. Sie sind höchstens einen Millimeter dick.

Zwischen Mai und Juli erscheinen die weißlich-rosa Blüten. Sie ähneln stark vielen anderen Doldenblütlern.

Die winzigen Blüten stehen in Doppeldolden, also mehrere kleine Dolden bilden zusammen eine größere Dolde.

Ab Juni entwickeln sich die Samen bzw. Früchte. Es handelt sich um sogenannte Spaltfrüchte. Die braunen Früchte zerfallen meistens in zwei Einzelfrüchte.

Ganz typisch ist der Geruch der Kümmelfrüchte.



Anbautipps

Den Kümmel kann man im eigenen Garten anbauen.

Dazu kann man fertige Pflanzen einpflanzen oder den Kümmel aus Samen anziehen.

Der Kümmel ist mit magerem Boden zufrieden, aber er braucht viel Sonne.

Die Anzucht aus Samen ist relativ schwierig, weil die Samen oft nicht keimen. Man muss auch zwei Jahre für den Anbau einplanen, denn erst im zweiten Jahr entstehen die Blüten und Samen.

Im März wird der Kümmel gesät, mit einem Reihenabstand von etwa 30 Zentimeter.

Nach ein bis drei Wochen erscheinen die ersten kleinen Pflänzchen.



Sammeltipps

In der freien Natur ist das Sammeln des Kümmels schwierig, denn man muss ihn ganz sorgfälig von anderen Doldenblütlern unterscheiden.

Die meisten Doldenblütler sehen sich relativ ähnlich, z.B. weiße doldenförmige Blüten.

Einige davon sind sehr giftig, z.B. der gefleckte Schierling.

Typisch für den Kümmel (und auch für den Fenchel) sind die extrem dünnen, fadenartigen Blätter. Außerdem riechen die Samen ganz deutlich nach Kümmel.

Die Früchte (Samen) werden zwischen Juli und September geerntet. Sie sind reif, wenn sie braun werden.

Zur Ernte schneidet man das ganz oberirdische Kraut ab. Dann bündelt man es und hängt es zum Trocknen auf.

Darunter legt man ein Stück Stoff oder etwas anderes, was vorab fallende Samen auffängt.

Wenn die Pflanzen trocken sind, hängt man sie ab und rebelt die Samen von den Blütenständen.

Danach trocknet man die Samen noch eine Weile nach und wenn sie trocken sind, hebt man sie in Dosen oder Beuteln auf.




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