Giftig Gottesgnadenkraut

(Gratiola officinalis)


  

Gottesgnadenkraut


Das Gottesgnadenkraut mit seinen hübschen weißen Blüten findet man kaum noch wildwachsend in der freien Natur. Es ist sehr selten geworden.

Selten geworden ist auch seine Anwendung in der Heilpflanzenkunde, denn trotz seines vielversprechenden Namens ist das Gottesgnadenkraut leider giftig.

Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie beispielsweise Verstopfung und Herzschwäche, kennt man inzwischen andere Heilpflanzen, die weniger gefährlich sind.

Nur in der Homöopathie wird das Gottesgnadenkraut unter dem Namen "Gratiola" weiterhin angewendet, denn durch die Potenzierung verliert sich die Giftigkeit der Pflanze.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Achtung! Giftig. Nur homöopathisch anwenden.

Heilwirkung:
abführend,
harntreibend,
herzstärkend,
menstruationsfördernd,
Anwendungsbereiche:

Früher:

Gallebeschwerden,
Geschwüre,
Herzschwäche,
Leberbeschwerden,
Ödeme,
Schlecht heilende Wunden,
Tumore,
Unterschnekelgeschwüre,
Verstopfung,
Wassersucht,
Würmer,

Homöopathisch (D3 - D12):

Darmentzündung,
Darmkrämpfe,
Gastritis,
Hautausschläge,
Juckreiz,
Leberschwäche,
Kopfschmerzen,
Magenschleimhautentzündung,
Magenschwäche,
Reizbarkeit,
Rheuma,
Verdauungsbeschwerden,
wissenschaftlicher Name:
Gratiola officinalis
Pflanzenfamilie:
Wegerichgewächse - Plantaginaceae (früher: Braunwurzgewächse - Scrophulariaceae)
englischer Name:
Common Hedgehyssop
andere Namen:
Allerheiligenkraut, Erdgalle, Fischkraut, Gallenkraut, Gichtkraut, Gradeze, Heckenysop, Laxierkraut, Magenkraut, Nieskraut, Purgierkraut, Speikräuterl, Wilder Aurin.
Verwendete Pflanzenteile:
Kraut
Inhaltsstoffe:
Glykoside: Cucurbitacin, Gratiotoxin, Gratiosid, Gratiogenin, Gratiogeninmonoglucosid; Ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine
Sammelzeit:
Juni bis August


Anwendung

Gottesgnadenkraut

Wenn man den Namen Gottesgnadenkraut hört, erhofft man sich eine Heilpflanze mit vielfältigen, gar wundersamen Heilwirkungen. Früher mag man das beim Gottesgnadenkraut auch so gesehen haben, aber der moderne Heilpflanzenfreund ist eher enttäuscht, wenn er hört, dass die Pflanze so giftig ist, dass man sie überhaupt nicht als Heilplanze nutzen sollte.

Selbst äußerlich sollte man auf die Anwendung des Gottesgnadenkrautes verzichten, denn sie wirkt stark hautreizend.

Einige der Inhaltsstoffe des Gottesgnadenkrautes sind jedoch sehr vielversprechend. Sie werden daher wissenschaftlich untersucht, ob sie gegen Krebs und andere schwere Erkrankungen helfen können. Im Erfolgsfall wird es vielleicht künftig Medikamente geben, die Einzelwirkstoffe des Gottesgnadenkrautes enthalten, ohne die Giftwirkung der ganzen Pflanze.

Übrigens werden auch andere Heilpflanzen im Volksmund als "Gottesgnadenkraut" bezeichnet, beispielsweise das Tausendgüldenkraut. Die beiden Pflanzen haben jedoch nichts miteinander zu tun.

Homöopathische Anwendung

Wegen der Giftigkeit kann man das Gottesgnadenkraut nur homöopathisch verwenden. In der Homöopathie trägt es den Namen "Gratiola".

Am besten nimmt man die Potenzen D3 bis D12. Manche verwenden auch die Potenz D2.

Als Dosierung eignet sich: 3 bis 5 mal täglich 5-10 Tropfen oder Globuli.

Gratiola hilft bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden. Man kann es auch bei Juckreiz, Hautausschlägen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Rheuma versuchen.



Giftwirkung

Gottesgnadenkraut

Das Gottesgnadenkraut hat eine starke Giftwirkung. Für die Giftwirkung sind vermutlich vor allem die Substanzen Cucurbitacin und Gratiotoxin verantwortlich.

Bei leichten und mittelschweren Vergiftungen kommt es zu Übelkeit, vermehrtem Speichelflus, Erbrechen, Bauchkrämpfen, brennendem Harndrang.

Wenn die Vergiftung schwerer ist, kommt es auch zu blutigen Durchfällen, Nierenschäden, Krämpfen, Herzrhythmusstörungen, Atemproblemen, Sehstörungen und Farbveränderungen beim Sehen.

In sehr schweren Fällen kommt es zum Kollaps und Tod, vermutlich durch Atemlähmung.

Erste Hilfe

Bei Vergiftungen mit Gottengnadenkraut sollte man sofort ins Krankenhaus gebracht werden.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme hilft zuerst Erbrechen auslösen und dann die Einnahme von pulverisierten Kohletabletten. Zusätzlich soll viel warmer Tee getrunken werden.

Falls es im Krankenhaus zu einer Atemlähmung kommt, wird künstlich beatmet.



Magische Anwendung

Mit dem Gottesgnadenkraut wurde früher ein spezielles Ritual durchgeführt, damit es gegen böse Geister und bösartige Geschwüre helfen können sollte. Am 15. August (Maria Himmelfahrt) wurde das Kraut betenderweise gepflückt und dann unter das Altartuch der Kirche gelegt. Sobald der Priester nichtsahnend darüber seine Messe gelesen hatte, konnte man das Kraut entfernen und für magische und Heilzwecke nutzen.



Geschichtliches

Gottesgnadenkraut

Im Altertum war das Gottesgnadenkraut eher unbekannt, vermutlich weil es keine typische Mittelmeerpflanze ist.

Im späten Mittelalter wurde das Gottesgnaden-Kraut gerne gegen epileptische Anfälle und Tobsucht angewendet.

Die Volksmedizin in Mitteleuropa schätzte das Gottesgnadenkraut sehr; so sehr, dass es seinen Namen mit dem besonderen Gottesbezug bekam.

Es wurde gegen zahlreiche Verdauungsbeschwerden und gegen Herzschwäche verwendet. Sicherlich war es durchaus wirksam, aber oft kam es wegen seiner Giftigkeit schon bei vernünftiger Dosierung zu heftigen Nebenwirkungen. Weil es zu Blutungen im weiblichen Genitalbereich führt, wurde es auch für Abtreibungen verwendet, sicherlich relativ häufig mit Todesfolge.

Äußerlich wurde das Gottesgnadenkraut gegen Geschwüre, vor allem im Fußbereich, angewendet. Es sollte sogar bösartige Geschwüre (z.B. Hautkrebs) heilen. Diese Anwendung mag durchaus funktioniert haben, weil die Hautreizung zu einer verstärkten Durchblutung führt, was oftmals einen Heilungsprozess auslöst.




Pflanzenbeschreibung

Gottesgnadenkraut

Gottesgnadenkraut ist in Mittel- und Osteuropa heimisch, kommt aber inzwischen nur noch selten vor.

Es wächst bevorzugt an feuchten Standorten, wie beispielsweise Gräben, Ufern, Moorwiesen und dergleichen. Außerdem sollte der Boden am besten zuvor aufgerissen worden sein, beispielsweise durch scharrende Tiere.

Weil solche Stellen immer weniger werden, und wenn sie vorkommen, häufig schnell von anderen Pflanzenarten besetzt werden, ist das Gottegnadenkraut zur bedrohten Art geworden. Man darf das Gottesgnadenkraut daher auch nicht in der Natur sammeln, weil es eine geschützte Pflanze ist.

Die mehrjährige Pflanze wird bis zu 40 Zentimeter hoch.

Im Frühjahr treibt die Wurzel zunächst einen vierkantigen Stengel aus, an dem lanzettliche schmale Blätter kreuz-gegenständig wachsen. Die Blätter sind an ihren Rändern fein gesägt.

Ab Juni bis August wachsen aus den Blattachseln weiße Blüten, die an relativ langen Stengeln sitzen.

Die Blüten haben Röhrenform und sind innen gelblich. Aus dem Innern ziehen sich dünne, dunkle Linien bis in den weißen Bereich der Blütenblätter.

Wegen der Form der Blüten wurde das Gottengnadenkraut früher zur Familie der Rachenblütler gezählt. Doch diese Familie wurde in Braunwurzgewächse umbenannt und zahlreiche Pflanzenarten wurden anderen Pflanzen-Familien zugeordnet, als eine genetische Zuordnung möglich wurde. Daher gehört das Gottesgnadenkraut jetzt zu den Wegerichgewächsen und ist verwandt mit dem Fingerhut, aber auch mit dem Spitzwegrich, was erstaunlich scheint.

Aus den Gottesgnadenkraut-Blüten entwickeln sich bis zum Herbst die Früchte. Die Früchte sind kleine Kapseln mit jeweils zwei Fächern, in denen viele Samen zu finden sind.



Anbautipps

Gottesgnadenkraut

Wenn man das Gottesgnadenkraut anpflanzen will, braucht man ein sehr feuchtes Stückchen Erde. Außerdem braucht das Gottesgnadenkraut viel Sonne.

Am einfachsten ist es, fertige Pflanzen einzupflanzen. Wenn sie sich wohlfühlen, vermehren sie sich durch Wurzelausläufer von selbst.

Man kann das Gottesgnadenkraut auch aus Samen anziehen, aber die Erfolgschancen hierbei sind geringer als bei der Verwendung fertiger Pflanzen.



Sammeltipps

Da das Gottesgnadenkraut nicht nur stark giftig, sondern auch geschützt ist, sollte man es nicht sammeln.




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