Faulbaum

(Rhamnus frangula)


  

Faulbaum


Der Faulbaum ist ein Strauch, manchmal ein kleiner Baum. Er ist eine beliebte Zierpflanze in Parks und Gärten.

Seine stinkende Rinde riecht faulig, daher auch die vielen Namen mit dem Hinweis auf den Geruch. Diese Rinde wird geerntet, getrocknet und mindestens 1 Jahr lang gereift.

Eingesetzt wird die Rinde als Abführmittel.

Dieses milde aber sehr wirksame Abführmittel schont die Dickdarmschleimhaut und beansprucht den menschlichen Körper kaum. Es führt nur sehr langsam zu Gewöhnungseffekten und ist sicher in der abführenden Wirkung.

In Nordamerika wächst der Amerikanische Faulbaum (Rhamnus purshiana), mit ähnlichen Wirkstoffen, lediglich gegen Verstopfung soll die Wirkung stärker sein.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Verstopfung,
Heilwirkung:

Pflanzenheilkunde

abführend,
antiabsorbtiv,
hydragog,
laxierend,
stuhltreibend,

Volksheilkunde

abführend,
milzanregend,
kreislaufstärkend,
schleimlösend,
wurmtötend,
Anwendungsbereiche:

Pflanzenheilkunde

Obstipation,
Verstopfung,

Volksheilkunde

Abszesse,
Arterienverkalkung,
Blutreinigung,
Fettsucht,
Gallenflußstauung,
Gallensteine,
Gallenschwäche,
Grind,
Hämorrhoiden,
Krätze,
Leberschwellung,
Mundschleimhautentzündung,
Wassersucht,
Verstopfung,
Völlegefühl,
Zahnfleischentzündung,

Homöopathie

saure Diarrhö,
Durchfall,
Verdauungsschwäche,
wissenschaftlicher Name:
Rhamnus frangula, Frangula alnus
Pflanzenfamilie:
Kreuzdorngewächse = Rhamnaceae
englischer Name:
Alder Buckthorn
volkstümlicher Name:
Amselbaum, Bauchberste, Brechwegdorn, Buckbeere, Buckstrauch, Buckthorn, Elsebaum, Faulbaum, Faulkersch, Faulkirsche, Gichtholt, Gichtholz, Glatter Wegdorn, Grindholz, Hexendorn, Hundsbeere, Pulverholz, Purgierbeere, Scheißbeere, Schusterholz, Spargelbaum, Spillbaum, Sprickel, Stinkbaum, Stinkbeere, Stinkboom, Stinker, Stinkstrauch, Teufelsbeere, Vogelbeere, Zapfenholz, Zweckenholz
Verwendete Pflanzenteile:
Innenrinde, Rinde
Inhaltsstoffe:
Anthrachinone, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Glukofranguline, Glykoside, Saponine
Sammelzeit:
Mai - Juli
Nebenwirkung:
Durchfall, Elektrolytverlust
Kontraindikation:
Darmverschluss, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, Herzschwäche, Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit


Anwendung

Faulbaum

Die frische oder zu kurz gelagerte Rinde darf nicht benutzt werden, da die giftigen Bestandteile starkes Erbrechen auslösen.

Nach der Einnahme dauert es 8-10 Stunden bis die Wirkung im Dickdarm einsetzt.

Die optimale Menge an Rinde ist dann erreicht, wenn nach der Anwendung der Stuhl weichgeformt ist.

Nicht länger als 2 Wochen an einem Stück einsetzen, es drohen Herz- und Muskelprobleme durch Kaliumverlust.

Die Faulbaumrinde wird oft als Abführmittel in der Schwangerschaft empfohlen, sollte aber keinesfalls eingesetzt werden, da bei falscher Anwendung eine Fehlgeburt die Folge sein kann.

Tee

1 Teelöffel zerkleinerter Faulbaumrinde (Frangulae cortex) auf 250 ml Wasser. Kalt aufsetzen und kurz aufkochen, dann 30 Minuten ziehen lassen. Tee vor dem Schlafengehen trinken, die abführende Wirkung setzt erst am nächsten Morgen ein.

Waschungen und Umschläge

Den Tee kann man in Waschungen und Umschlägen äusserlich gegen Hautkrankheiten einsetzen.

Mundspülung

1 Teelöffen zerkleinerter Rinde auf 250 ml Essig. Kalt aufsetzen und einige Zeit kochen, nach dem Abkühlen zur Mundspülung eingesetzt hilft gegen Entzündungen im Mundraum.

Apfelwein-Abkochung

1/2 Teelöffel auf 250 ml Apfelwein. Kalt aufsetzen und kurz aufkochen, trinken sobald die Temperatur es erlaubt. Hilft gegen Arterienverkalkung und beugt Schlaganfällen vor.

Tinktur

Mit 5 Teelöffeln auf 100 ml Rotwein oder Obstler lassen sich Tinkturen herstellen. Etwa 1 Esslöffel vor dem Schlafengehen zu Abführzwecken einnehmen.

Räuchern

Holz und Rinde des Faulbaumes eignen sich als Räucherpulver in der Aromatherapie, um eine entspannende und beruhigende Atmosphäre im Raum herzustellen.

Homöopathie

In der Homöopathie wird die frische Rinde verarbeitet und als Rhamnus (D3) gegen Durchfall/saure Diarrhö eingesetzt.

Geschichtliches

Faulbaum

Für die Antike gibt es keine Dokumentation einer Nutzung zu Heilzwecken.

Aus dem Holz wurde im Mittelalter die Holzkohle für das Schießpulver/Schwarzpulver hergestellt. Die Holzkohle aus dem Faulbaum hat den Vorteil, das der Aschegehalt sehr gering ist.

Aus dem Faulbaum wurden auch Gehstöcke und Faßspunde hergestellt.

Früchte und Rinde dienten als Färbemittel.

Im 13./14. Jahrhundert wurde vermutlich die Rinde zu Heilzwecken (Haut- und Zahnerkrankungen) genutzt, geriet aber wieder in Vergessenheit.

Im 16. Jahrhundert wurde die Pflanze neu entdeckt, diesmal gegen Verstopfung. Erst im 17. Jahrhundert wurde die Rinde in größerem Umfang genutzt. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert war der Faulbaum "die" Heilpflanze gegen Verstopfung.

Die giftigen Früchte wurden zeitweise gegen Magen-Darm-Erkankungen eingesetzt. Die Früchte wurden im Backrohr getrocknet oder zu einer Marmelade verkocht.




Pflanzenbeschreibung

Faulbaum

Der Faulbaum ist in Europa und Asien heimisch.

Der Faulbaum wächst bevorzugt an feuchten Stellen, in Hecken, Mooren, lichten Laubwäldern und Auwäldern.

Der mehrjährige und sommergrüne Strauch wird meist zwischen 2 und 3 Metern hoch, selten wird er zu einem Baum bis zu einer Höhe von 8 bis 9 Metern.

Bei jungen Pflanzen ist die Rinde grün, mit zunehmenden Alter wird die Rinde braungrau.

Die Blätter sind verkehrt eiförmig und vorne zugespitzt.

Die weiß-grünlichen Blüten erscheinen zwischen Mai und Juni an 2-10 blütigen Trugdolden.

Aus den Faulbaum Blüten entwickeln sich von Juli bis September zunächst grüne, dann rote und am Ende violett-schwarze kugelige Steinfrüchte.

Das Fruchtfleisch ist grünbraun.



Produkttipps:


Anbautipps

Aussaat im Herbst oder Stecklinge von im Sommer.

Der Faulbaum mag einen feuchten Boden und Halbschatten.

Er ist pflegeleicht und bedarf keiner besonderen Aufmerksamkeit, der Faulbaum galt zeitweise als unnützes Unkraut.


Sammeltipps

Geerntet wird die Rinde im Mai bis Juli vor der Blüte von 2-3 Jahren alten Seitenzweigen.

In diesem Alter ist der Gehalt an gewünschten Wirkstoffen am größten.

Über dieses Alter hinaus nimmt der Wirkstoffgehalt schnell ab.

Zur Ernte führt man mit dem Messer an zwei Stellen runde Schnitte durch, dann einen Längsschnitt, dann die Rinde abschälen. Man schält aus der abgelösten Rinde die zweite feuchte glänzende Rinde mit dem Messer heraus.

Diese Rinde wird an einem sonnigen, warmen und luftigen Ort gut getrocknet, die getrocknete Rinde muss mindestens 1 Jahr lagern, damit sich die unerwünschten Verbindungen abbauen und die gewünschten bilden können. Im zweiten Jahr ist die Wirkstoffzusammensetzung am besten und lässt mit zunehmender Lagerzeit nach.

Manchmal wird die Rinde bei etwa 100°C getrocknet um die Lagerzeit stark zu verkürzen.

In Papierbeutel oder Glasbehälter aufbewahren und gut lesbar mit dem Datum der Ernte beschriften.


Disclaimer: Frage Deinen Arzt oder Apotheker
Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen.
Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt Deinen Arzt zu Rate.


  


Home Up