Gelber Enzian


  


Der Enzian ist eine typische Gebirgspflanze, die inzwischen recht selten geworden ist und daher auch unter Naturschutz steht.

Die Wurzel des Enzians kann man jedoch in Apotheken und Kräuterhandlungen beziehen. Sie wirkt vorwiegend aufgrund ihrer starken Bitterstoffe.

So ist die Hauptwirkung der Enzianwurzel denn auch die Anregung der Verdauung, was eine typische Wirkung von bitteren Substanzen ist.

Als Nebenwirkung ist der Enzian jedoch auch kräftigend und stärkt das Kreislaufsystem. Bei zu hohem Blutdruck und auch in der Schwangerschaft sollte man jedoch von der Verwendung des Enzians absehen.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Verdauungsbeschwerden
Heilwirkung:
antibakteriell,
menstruationsfördernd,
tonisierend,
Anwendungsbereiche:
Appetitlosigkeit,
Blutarmut,
Fieber,
Herzbeschwerden,
Kalte Füsse,
Kalte Hände,
Krampfadern,
Magenbeschwerden,
Müdigkeit,
Ohnmacht,
Rekonvaleszenz,
Rheuma,
Schnupfen,
Schwindel,
Sodbrennen,
Untergewicht,
Verdauungsschwäche,
Verstopfung,
wissenschaftlicher Name:
Gentiana lutea
Pflanzenfamilie:
Enziangewächse = Gentianaceae
englischer Name:
Gentian
volkstümlicher Name:
Anzianwurzel, Bergfieberwurzel, Bitterwurzel, Butterwurz, Darmwurzen, Gelbsuchtwurzen, Halunkenwurz, Istrianswurzel, Jänzene, Jäuse, Sauwurz, Zergang, Zinzalwurz
Verwendete Pflanzenteile:
Wurzel
Inhaltsstoffe:
Bitterstoff, Gerbstoff, Gerbsäure, Gentianose, Gentiopikrin, Inulin, Schleim, Zink
Sammelzeit:
Achtung! Die Pflanze ist geschützt!
März, April, August, September
Fotos vom Enzian


Anwendung


Die Hauptwirkung des gelben Enzians beruht auf den Bitterstoffen, die die Wurzeln enthalten. Sie machen die Enzianwurzel zu einem starken Magenmittel, das die Verdauung fördert.

Man kann den Enzian als Tee trinken oder als Tinktur einnehmen.

Tee

Die getrockneten Stücke der Wurzel kann man als Aufguss zubereiten. Dazu übergiesst man einen halben Teelöffel Enzianwurzel mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt den Tee fünf bis zehn Minuten ziehen.

Oder man bereitet den Enziantee als Kaltauszug zu. Dazu übergiesst man einen halben Teelöffel Enzianwurzel mit kaltem Wasser und lässt es sieben bis acht Stunden ziehen. Danach abseihen und behutsam auf Trinkwärme erhitzen.

Tinktur

Für die Tinktur übergiesst man die kleingeschnittenen Enzianwurzeln mit Doppelkorn oder Weingeist und lässt den Ansatz in einem verschlossenen Glas zwei bis sechs Wochen ziehen.

Danach abseihen und dreimal täglich vor den Mahlzeiten zehn bis zwanzig Tropfen einnehmen.

Verdauung

Die Verdauung ist das Haupteinsatzgebiet des Enzians.

Durch die Bitterstoffe wird die Bildung der Magensäfte angeregt.

Der Appetit wird angeregt und Sodbrennen wird gemildert.

Enzian wirkt ausserdem leicht abführend und kann dadurch Verstopfung beheben.

Andere Einsatzgebiete

Ausser zur Stärkung der Verdauung setzt die Volksheilkunde den Enzian auch zur Vorbeugung gegen Erkältungen ein.

Er fördert zudem die Menstruation.

Früher wurde Enzian auch gegen Ohnmachtsanfälle und kalte Hände und Füsse verwendet.

Eine blau-violette Enzianart wird als Bachblüte verwendet:

Achtung!

Den Enzian sollte man nicht bei bestehendem Bluthochdruck einsetzen.

Auch in der ersten Phase der Schwangerschaft sollte man auf den Enzian verzichten.



Produkttipps:


Geschichtliches

Enzian

Der Enzian wurde aufgrund seiner intensiven Bitterstoffe schon frühzeitig als Heilpflanze geschätzt.

Sein Name geht auf den illyrischen König Gentis des Altertums zurück, der heilkundig war und den Enzian gegen die Pest einsetzte.

Über alle Jahrhunderte hinweg wurde der Enzian häufig verwendet, vor allem gegen Verdauungsbeschwerden, aber auch gegen allgmeine Schwäche und Blutarmut.

Auch Kräuterpfarrer Kneipp schätzte den Enzian sehr und empfahl, ihn im Garten anzubauen, um seine Heilkraft immer zur Verfügung zu haben.



Pflanzenbeschreibung


Der gelbe Enzian ist eine typische Gebirgspflanze und wächst daher auf den bergen der Alpen. Er kommt auch auf den höchsten Bergen des Schwarzwalds und der Vogesen vor.

Da der gelbe Enzian auf Kuhweiden eher ungeliebt ist und früher im grossen Stil zur Gewinnung als Medizinalpflanze und für Kräuterbitter eingesetzt wurde, wurde er immer seltener bis er so selten war, dass er unter Naturschutz gestellt werden musste. Inzwischen haben sich die Bestände durch den Schutz wieder erholt.

Der Enzian ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu sechzig Jahre alt werden kann. Er wächst allerdings auch recht langsam und blüht meistens erst nach zehn Jahren.

Die dicke, ästige Wurzel wird bis zu einen Meter lang. Besonders massive Exemplare können bis zu vier Kilo wiegen. Aussen sind die Wurzeln braun und innen gelb. Die Wurzeln des giftigen, weissen Germers, dessen Blätter denen des Enzian ähneln, sind deutlich kürzer und innen weiss. Das ermöglicht eine Unterscheidung der beiden Wurzeln.

Sobald der Frühling weit genug fortgeschritten ist, dass der Schnee dauerhaft schmilzt, wachsen aus der Wurzel bodennahe Blätter. Die Blätter sind gross und spitz eiförmig. Sie haben mehrere ausgeprägte Nerven, die bogenförmig verlaufen.

Wenn sich der Stengel nach oben streckt, wachsen die Blätter in Etagen gekreuzt gegenständig. Diese Blätter sind nach unten gebogen, sodass sie fast wie Schalen wirken.

Ab Juni bis Anfang August blüht der Enzian mit gelben Blüten, die oberhalb der Blätteretagen in dichten Quirlen wachsen.

Die Blüten sind fünfzählig und radförmig.

Aus den Blüten entwickeln sich dicke aufrecht stehende Schoten, die kleine Samen enthalten.

Der blaue Enzian, über den Lieder gesungen werden, ist übrigens ein naher Verwandter der gleichen Gattung. Er hat ähnliche Inhaltsstoffe, ist jedoch weniger heilkräftig.

Mehr Fotos vom Enzian



Anbautipps

Enzian

Man kann den Enzian relativ gut im Garten anbauen, obwohl er normalerweise nur im Gebirge heimisch ist.

Am liebsten gedeiht er auf Kalkböden, Granit oder Gneiss, man kann aber auch normale Gartenerde für ihn verwenden.

Da ein aus Samen gezogener Enzian meistens zehn Jahre lang braucht, bis er das erste Mal blüht, ist es einfacher, wenn man ihn als fertige Pflanze oder Wurzelstock kauft und im Garten einpflanzt.

In tiefgründiger Erde kann die Wurzel des Enzians besonders groß werden.

Da der Enzian unter Naturschutz steht, darf man ihn auf keinen Fall in der Natur ausgraben, um ihn anschließend einzupflanzen.


Sammeltipps

Enzian

Wild wachsender Enzian darf nicht gesammelt werden, weil der Enzian geschützt ist.

Nur Enzian aus dem eigenen Garten darf geerntet werden.

Dazu wartet man, bis die Enzianpflanze groß und kräftig ist. Das kann etliche Jahre in Anspruch nehmen, etwa zehn Jahre alleine bis zur ersten Blüte.

Die Wurzel wird im Herbst nach der Blüte oder im Frühjahr vor dem Austrieb der neuen Blätter geerntet.

Die Wurzel in tiefgründiger Erde kann bis zu vier Kilo schwer werden. In manchen Fällen wird sie bis zu einen Meter lang.

Nach der Ernte schneidet man die Wurzel längs durch und hängt sie auf einen Faden gefädelt an einem trockenen, warmen Ort zum Trocknen auf.

Als Alternative zum Trocknen kann man die frische Enzianwurzel auch verwenden, um eine Tinktur darauf anzusetzen (siehe Rezepte: Tinktur).


Disclaimer: Frage Deinen Arzt oder Apotheker
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