Stark giftig Alraune

(Mandragora officinalis)


  

Alraune


Die Alraune ist die klassische Zauberpflanze des Altertums und des Mittelalters.

Ihre Wurzel war heißbegehrt und galt als zauberkräftig, weil ihre Form der Gestalt von Menschen ähnelt.

Die Alraune ist stark giftig und führt zu gefährlichen Rauschzuständen, die potentiell tödlich sind.

Medizinisch wird sie heutzutage nur noch in homöopathischer Dosis angewendet.



Steckbrief

Hauptanwendung:
Magische Zwecke,
Heilwirkungen:
schlaffördernd,
schmerzstillend,
menstruationsfördernd,
Anwendungsgebiete:
Asthma,
Bronchitis,
Depressionen,
Gelenkentzündung,
Ischias,
Koliken,
Kopfschmerzen,
Leberschwäche,
Magenschwäche,
Schlangenbisse,
wissenschaftlicher Name:
Mandragora officinalis, Atropa mandragora, Mandragora circaea
Pflanzenfamilie:
Nachtschattengewächse = Solanaceae
englischer Name:
Mandrake
volkstümliche Namen:
Alraunmännchen, Drachenpuppen, Erdmännchen, Galgenmännchen, Hexenkraut, Mandragora, Springwurz, Unhold-Wurzel, Zauberwurzel
Verwendete Pflanzenteile:
Inhaltsstoffe:
Alkaloide, Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin
Sammelzeit:




Anwendung

Alraune
Zeichnung: Jonathan Stenger
Da die Alraune sehr giftig ist, wird sie heutzutage nicht mehr in der Heilpflanzenkunde angewendet.

In der Homöopathie wird sie hingegen gerne verwendet, weil sie in hochverdünnter (potenzierter) Form ungefährlich ist.

Ab der Potenz D4 kann man das homöopathische Mittel Mandragora rezeptfrei in Apotheken erhalten.

In niedrigen Potenzen, bis einschliesslich D6, wendet man es ähnlich an, wie früher einmal die Heilpflanze Alraune.

Das homöopathische Mittel wird gegen Schlaflosigkeit, Asthma, Depressionen und Gelenkschmerzen eingesetzt.

Auch gegen verschiedene Frauenkrankheiten wird Mandragora eingesetzt, beispielsweise gegen Unfruchtbarkeit. Sie soll auch die Gebärmutter reinigen und die Menstruation fördern.



Geschichtliches

Alraune

Die Alraune hat eine jahrtausendelange Geschichte als Heil- und Zauberpflanze.

Schon im alten Babylon wurde die Alraune etwa 2000 v. Chr. als Heilmittel gegen Zahnschmerzen in Keilschrifttafeln erwähnt.

Gegen Schmerzen wurde die Alraune auch im alten Ägypten verwendet. Im Papyrus Ebers findet man sie unter dem Namen dja-dja.

Die Mandragora soll auch ein Geschenk des griechisch-ägyptischen Gottes Hermes Trismegistos sein. Sie sei für alchemistische Praktiken und Geisterbeschwörungen geeignet.

Bei den goldenen Äpfel der Aphrodite handelt es sich wahrscheinlich um die Früchte der Alraune.

Möglicherweise ist die Alraune auch die berühmte Moly der Kirke. Daher trägt sie auch den Namen Mandragora Circaea, der ihr von Plinius verliehen wurde. Es gibt jedoch auch zahlreiche andere Pflanzen, die als die sagenumwobene Moly interpretiert werden.

Manche vermuten auch, dass die Alraune mit der biblischen, aphrodisischen Pflanze Dudaim identisch ist (1. Mose 30). Bei der Dudaim handelt es sich um Liebesäpfel, die Rachel dazu verholfen haben sollen, mit Joseph schwanger zu werden.

Plinius berichtete schon im 1. Jahrhundert n. Chr. über die medizinische und psychoaktive Wirkung der Alraune.

Alraune


Hildegard von Bingen beschreibt die Alraune als menschenähnlich und mutmaßt, dass sie aus der Erde stammt, aus der auch Adam erschaffen wurde. Doch die heilige Hildegard hält nicht viel von der Alraune, denn sie befürchtet teuflische Einflüsterungen durch sie. Um die teufliches Einflüsse der Pflanze zu entfernen, sollte man sie vor der Anwendung in einer Quelle reinigen.

Merkwürdigerweise empfiehlt Hildegard die Mandragora gegen zu starken Geschlechtstrieb. Männer sollten eine weibliche Pflanze und Frauen eine männliche Pflanze anwenden. Das erstaunt umso mehr als die Alraune sonst eher als aphrodisierendes Mittel angepriesen wurde.

Im Mittelalter, aber vermutlich auch schon früher, wurde die Alraune als Betäubungsmittel bei Operationen eingesetzt. Dazu setzte man einen Tee aus Alraunenwurzel, Maulbeersaft, Mohnextrakt, Bildsenkraut und Schierling an und träufelte ihn auf einen Schwamm. Dieser Schwamm wurde dem Patienten vor die Nase gehalten, bis er einschlief. Nach der Operation wurde der Patient mit Fenchelöl-Düften wieder aufgeweckt.

Früchte durch Essen oder Duft einatmen Schlaf und Betäubung bewirken.

Eingedickter Saft aus Rinde und Wurzel wurde als Medikament aufbewahrt.

Getrocknete Wurzeln wendete man früher gegen Augenentzündungen, entzündete Wunden, Verhärtungen, Schlangenbiss und Gelenkschmerzen an.

Die Alraune galt auch als Fruchtbarkeits fördernd.

Alraunen-Wein trank man gegen Schlaflosigkeit, wobei hier immer die Gefahr bestand, dass man aus dem so gewonnenen Schlaf nicht mehr aufwacht.

Paracelsus schimpft viel über den Schindluder, der mit der Alraune getrieben wird. Viele Händler würden ihre Kundern mit Alraunen-Fälschungen betrügen. Zudem würde der Alraune viel zuviel magische Heilkraft zugesprochen.



Magie

Alraune

Eine Alraunenwurzel auf den Kaminsims gelegt, soll dem Haus Wohlstand, Fruchtbarkeit und Schutz bringen. Sogar Dämonen soll man mit ihr austreiben können.

Man legt die Wurzel auch neben sich ins Bett oder ans Kopfende des Bettes, um den Schläfer zu schützen und vor Schwermut zu bewahren.

Als Amulett am Körper getragen, soll die Alraunenwurzel als Liebesmittel wirken und ausserdem vor Krankheiten schützen.

Wenn man Geld neben eine Alraunenwurzel legt, soll es sich angeblich verdoppeln.

Eine getrocknete Alraunenwurzel wird manchmal zunächst aktiviert, um ihre vermeintlich schlummernden Kräfte zu wecken. Dazu legt man die Wurzel drei Tage lang an eine wichtige Stelle des Hauses. Anschliessend legt man sie in warmes Wasser und belässt sie dort über Nacht. Dann erst kann die nun aktivierte Alraunenwurzel für magische Zwecke eingesetzt werden. Das Einlegewasser kann man auf Gegenstände oder Personen spritzen, um sie zu schützen.



Pflanzenbeschreibung

Alraune
Zeichnung: Jonathan Stenger
Die Alraune ist heimisch im Mittelmeerraum. Da sie frostempfindlich ist, findet man sie nur in frostfreien Gegenden.

Die dicke Wurzel der mehrjährigen Pflanze kann bis zu 60 cm lang werden.

Häufig ist die Wurzel längs gespalten, oft auch mehrmals, sodass die Form als Männlein mit Beinen und Armen gedeutet werden kann.

Aus der Wurzel wächst eine bodennahe Rosette mit länglichen, eiförmigen Blättern. Die Blätter sind noppig gewellt und am Rand gezähnt.

Die violetten Blüten erscheinen im Frühjahr und wachsen zu mehreren direkt aus der Rosette.

Sie sind glockenförmig und haben einen langen Kelch. Ihre Form erinnert ein wenig an die Blüten des blauen Enzians, mit dem sie jedoch in keiner Weise verwandt sind.

Alraune


Aus den Blüten entwickeln sich goldene Beeren-Früchte.

Die Früchte erinnern an kleine Äpfel. Das Laub der Alraune hat sich zum Zeitpunkt der Fruchtreife vollständig zurückgezogen. Wenn man nicht weiß, dass an dieser Stelle eine Alraune wächst, könnte man die Früchte auf den ersten Blick auch für kleine Falläpfel halten. Sie sind jedoch am Boden festgewachsen, mit einem Stengel der aus dem Zentrum der Alraune-Pflanze kommt.

Im reifen Zustand sind die Früchte ungiftig, sodass man sie theoretisch essen kann. Ihr Geschmack soll an Tomaten erinnern. Wegen der Gefahr, eventuell unreife, giftige Früchte zu erwischen, sollte man vom Genuss der Alraune-Früchte Abstand nehmen.

Herbst-Alraune

Die Schwester der Alraune (Mandragora autumnalis) blüht im Herbst.

Sie gilt als weibliche Variante der Alraune im Gegensatz zu der früh blühenden Mandragora officinalis, die als männliche Alraune gilt.

Bis auf die unterschiedlichen Blühzeiten sind sich beide Alraunen-Arten sehr ähnlich.



Anwendung

Achtung! Stark giftig.

Alraune nur in verschriebenen Fertigpräparaten oder homöopathisch anwenden.



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