Alpen-Mutterwurz

(Ligusticum mutellina)


  

Die meist rosa blühende Alpen-Mutterwurz ist eine alte Heilpflanze und ein wertvolles Viehfutter, das im Alpenraum auf Wiesen wächst.

Die kniehohe und rosa blühende Pflanze riecht kräftig und würzig.

Wegen der aromatischen ätherischen Öle, die an Fenchel und Liebstöckel erinnern, wird die Alpen-Mutterwurz auch in der Küche verarbeitet. Im Bayerischen Wald wird aus der Alpen-Mutterwurz der Bärwurz-Magenschnaps hergestellt.

Es gibt eine ähnliche Pflanze, mit fast gleicher medizinischer Wirkung aber geringere Menge an Inhaltsstoffen, die den gleichen Namen trägt Bärwurz (Meum athamanticum Jacq.).



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Magen,
Gebärmutter,
Verdauung,
Heilwirkung:
aphrodisierend,
appetitfördernd,
entblähend,
entgiftend,
entschlackend,
harntreibend,
herzstärkend,
magenstärkend,
menstruationsfördernd,
milchproduktionssteigernd,
tonisierend,
wärmend,
windtreibend,
Anwendungsbereiche:
Altersschwäche,
Appetitlosigkeit,
Blähungen,
Blasenerkrankungen,
Darmkatarrh,
Dysmenorrhoe,
Gebärmutter,
Geburten,
Gelbsucht,
Gicht,
Hautausschläge,
Herzschwäche,
Koliken,
Lungenverschleimungen,
Menstruationsbeschwerden,
Migräne,
Nierenleiden,
Periodenkrämpfe,
Verdauungsstörungen,
Vergiftungen,
Viehheilmittel,
Weißfluss,
wissenschaftlicher Name:
Ligusticum mutellina
Pflanzenfamilie:
Doldenblütler = Apiaceae
englischer Name:
Alpine Lovage, Italian Lovage, Mountain lovage
volkstümlicher Name:
Alpen-Bärendill, Alpen-Liebstock, Alpen-Liebstöckel, Bärenfenchel, Bärwurz, Bärmutterkrut, Bärwurzel, Bergbärwurz, Bergpudel, Berwurtz, Gamskraut, Gebärmutterwurz, Herzwurz, Madaun, Metaun-Kümmel, Mutteli, Mutterkraut, Muttern, Mutterwurz
Verwendete Pflanzenteile:
frische Blätter, Samen, Wurzelstöcke
Inhaltsstoffe:
ätherische Öle, Fettes Öl, Gummi, Harz, Ligustilid, Monoterpene, Kaffeesäuren, Phthalide
Sammelzeit:
Mai bis September


Anwendung

Frische Blätter

Können in der Küche wie Petersilie eingesetzt werden. Regt den Appetit an und fördert die Verdauung.

Können als gequetsches Kraut für Umschlage gegen Hautkrankheiten oder Gichtschmerzen eingesetzt werden.

Tee

1 Teelöffel getrockneter Blätter mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen, hilft gegen Verdauungsprobleme.

1 Teelöffel Samen mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 20 Minuten ziehen lassen, abseihen. Hilft bei Migräne, Appetitmangel, Blasenleiden.

Abkochung

Eine Abkochung der Wurzeln hilft vor allem bei Verdauungsproblemen.

Tinktur

Um eine Alpen-Mutterwurz-Tinktur selbst herzustellen, übergiesst man Wurzeln der Alpen-Mutterwurz in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen.

Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein.

Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

Äusserlich

Äusserlich kann man Alpen-Mutterwurz-Tee oder verdünnte Tinktur in Form von Umschlägen, Bädern oder Waschungen anwenden.

Mit dieser Art der Anwendung kann man Hautkrankheiten lindern.


Geschichtliches

In der Hexenmedizin ist es eines der Mutterkäuter und wird zur Geburt eingesetzt. Haupteinsatz war die Linderung schwerer Geburten.

Kräuter-Schnäpse aus dem Bayerischen Wald werden aus der Wurzel hergestellt, einige Kräuter-Liköre werden mit den Samen ergänzt. Diese Getränke haben teilweise eine jahrhundertelange Tradition.

Blätter und Samen zum Würzen von Suppen und Käse.

Bärwurz wurde oft in Klostergärten angebaut, doch welche Bärwurz in den Klostergärten angebaut wurde und dessen Anwendung in Kräuterbüchern zu finden ist schwer zu beurteilen.

Eine gute eiweißreiche Futterpflanze, die Milchleistung und Milchqualität erhöht, sowie Viehkrankheiten lindert und vorbeugt. Dies spiegelt sich in einigen Überlieferungen wider:

Die Alpen-Mutterwurz soll nach dem Volksglauben da wachsen wo die Milch der hl. Maria auf die Erde gefallen ist.

Von den Melkerinnen wurden Alpen-Mutterwurz und einige andere Pflanzen verflucht ("Teufel möge das Gras wegnehm"), damit die Kühe weniger Milch geben und weniger Arbeit zu tun war.

Heute wird die Alpen-Mutterwurz immer seltener, da viel gesammelt wird. Es dauert mindestens 7 Jahre bis eine Alpen-Mutterwurz groß geworden ist.



Pflanzenbeschreibung

Die Alpen-Mutterwurz ist in den Alpen heimisch und auch an einigen Stellen im Schwarzwald zu finden.

Der Wurzelstock ist winterhart.

Sie wächst bevorzugt auf mageren Berg- und Gebirgswiesen von 1000 m bis fast 3000 m.

Die mehrjährige Pflanze wird zwischen 15 und 50 Zentimeter hoch.

Die Blätter sind haarfein gefiedert.

Die rosa bis purpurnen (selten weißen) Blüten erscheinen zwischen Juli und August auf einer meist 7-10 strahligen Blütendolde.

Aus den Alpen-Mutterwurz-Blüten entwickeln sich im Herbst die Samen.

Die Samen sind ca. 6 mm lang und 3 mm dick.



Anbautipps

Üblicherweise wird die Alpen-Mutterwurz durch Wurzelteilung nach der Blüte vermehrt, es reichen schon kleine Wurzelstücke um daraus eine Pflanze zu ziehen.

Deutlich schwieriger ist die Anzucht aus Samen. Möglichst im November in Töpfen aussäen oder sehr früh im Frühling im Freien wenn noch Frost zu erwarten ist, die Samen sind nicht lange keimfähig und müssen stratifiziert werden um die Keimung anzuregen (Frostkeimer).

Die Alpen-Mutterwurz mag sandigen, lehmigen, mageren und feuchten Boden, der Standort sollte sonnig oder halbschattig sein.

Man kann die Alpen-Mutterwurz auch in größeren Töpfen aufziehen.

Es dauert etwa 7 Jahre, bis man die Wurzel ernten kann.

Da die Pflanze gleichmässige Bedingungen liebt, z.B. gleiche Bodenfeuchtigkeit, ist sie etwas schwierig zu kultivieren. Leider sind die Inhaltsstoffe im Flachland geringer als in den Bergen.



Sammeltipps

Die Wurzel (Bärenwurzel, Bärenfenchelwurzel) der Alpen-Mutterwurz sollte nur geerntet werden, wenn man sich mit der Bestimmung der Pflanze auskennt, da es ähnlich aussehende aber giftige Pflanzen gibt.

Am besten ist es die Alpen-Mutterwurz im eigenen Garten anzubauen, denn die Alpen-Mutterwurz ist durch die vielen Wildsammlungen leider selten geworden, deshalb sollte gerade die Wurzel nicht mehr in der Natur gesammelt werden.

Die Wurzel wird gereinigt, geschnitten und im luftigen Schatten gut getrocknet. In einem geschlossenen Behälter lagern, damit sich die ätherischen Öle nicht verflüchtigen. Die feinen Blätter sollten geerntet werden, wenn diese frisch ausgetrieben sind.

Die Samen sammelt man sobald die reif sind, am besten nachtrocknen.


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