Heilkräuter-Kurs: Teil 2: Pflanzenfamilien und Minze


  

Heilkräuter-Kurs

Heute geht es um Pflanzenfamilien.

Genauer gesagt, geht es um einen kurzen Überblick über das Thema Pflanzenfamilien. Denn jede einzelne Pflanzenfamilie ist schon interessant genug für ein ganzes Kursvideo. Darum werden uns die Pflanzenfamilien im Verlauf dieses Kurses immer wieder begleiten.

Pflanzenfamilien sind eine Methode der Botanik, das Pflanzenreich zu ordnen.

Für uns in der Kräuter-Heilkunde sind Pflanzenfamilien sehr praktisch, denn sie helfen uns bei der Pflanzenbestimmung. Je nach Pflanzenfamilie kann man oft auch ungefähr einschätzen, mit welchen Heilwirkungen man rechnen kann und welche potentiellen Gifte drohen, selbst wenn man eine neue Pflanze kennenlernt, die einem bisher unbekannt ist.

Die Heilpflanze, um die es heute geht, ist die Pfefferminze.


Inhalt


Video

Dauer: 16 min. 35 sek.

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In diesem Video-Kurs gibt es zunächst einen Überblick über die hierarchische Ordnung der Botanik.

Diese Hierarchie beinhaltet unter anderem die Unterteilung in Einkeimblättrige und Zweikeimblättrige.

Diese werden ihrerseits in die Pflanzenfamilien unterteilt.

In diesem Video-Kurs wird außerdem die Minze vorgestellt.



Theorie

Pflanzenfamilien sind eine Methode der Botanik, das Pflanzenreich zu ordnen.

Nutzen der Pflanzenfamilien
Nutzen der Pflanzenfamilien

Für uns in der Kräuter-Heilkunde sind Pflanzenfamilien sehr praktisch, denn sie helfen uns bei der Pflanzenbestimmung. Je nach Pflanzenfamilie kann man oft auch ungefähr einschätzen, mit welchen Heilwirkungen man rechnen kann und welche potentiellen Gifte drohen, selbst wenn man eine neue Pflanze kennenlernt, die einem bisher unbekannt ist.

Oregano

Zum Beispiel duften viele Lippenblütler intensiv durch ätherische Öle. Das macht viele von ihnen heilkräftig gegen Erkältungen und Verdauungsschwäche.


Doch fangen wir bei den Grundlagen an.

Die Botanik unterteilt das Pflanzenreich zunächst in lauter Teile, von denen die meisten von uns noch nie etwas gehört haben, und die für uns jetzt am Anfang auch nicht so interessant sind.

Interessanter wird es bei der Einteilung der Bedecktsamer in Einkeimblättrige und Zweikeimblättrige. Diese beiden Gruppen haben für uns in der Kräuterkunde eine wichtige Bedeutung, weil sie eine grobe Einteilung der Kräuter ermöglichen.

Darum betrachten wir sie jetzt etwas genauer.

Wie die Namen schon sagen, werden die Pflanzen hier anhand ihrer Keimblätter unterteilt.

Bei den Einkeimblättrigen schiebt sich ein einzelnes Blatt aus dem Samen. Meistens ist es länglich und schmal, wie ein kleiner Pfeil. Typische Einkeimblättrige Pflanzen sind die Gräser und die Zwiebelpflanzen.


Bei den Zweikeimblättrigen erscheinen gleich zwei rundliche Blättchen, die oft eine ganz andere Form haben als die späteren Blätter. Typische Zweikeimblättrige sind das Gänseblümchen, die Brennnessel oder die Pfefferminze.



Einkeimblättrige

Zurück zu den Einkeimblättrigen.

Getreide Mit den Gräsern gehören auch alle Getreidearten zu den Einkeimblättrigen. Daher haben sie eine enorm wichtige Bedeutung für unsere Ernährung. An den Gräsern und Getreiden kann man auch deutlich die typische Wuchsform der Einkeimblättrigen erkennen. Die schmalen Blätter schieben sich entlang des Stängels nach oben.

Die Gruppe der Einkeimblättrigen unterteilt sich noch in Ordnungen und Unterordnungen, was für Botaniker sehr interessant sein mag.

Die Unterteilung darunter ist auch für uns sehr interessant, denn das sind die Pflanzenfamilien, die zu den Einkeimblättrigen gehören.

Das sind, wie schon gesagt, die Gräser und mit ihnen das Getreide.

Andere bekannte Familien der Einkeimblättrigen sind beispielsweise:

Lauchgewächse mit den Zwiebeln


Liliengewächse mit Lilien, Tulpen und ähnlichen


Ingwergewächse mit dem Ingwer und Kurkuma


Orchideen - und auch die


Palmen gehören zu den Einkeimblättrigen.



Zweikeimblättrige

Ringelblume Die Zweikeimblättrigen haben eine noch größere Artenvielfalt.

Eigentlich bilden die Zweikeimblättrigen keine natürliche Verwandschaftsgruppe, wie man aber erst in den 1990er Jahren entdeckt hat. In der Praxis spielt das aber kaum eine Rolle.

Die Wuchsform der Zweikeimblättrigen ist sehr vielfältig.

Bei vielen Kräutern, z.B. dem Löwenzahn, bildet sich unten eine Rosette,


aus der ein oder mehrere Stengel mit Blüten entspringen.


Andere zweikeimblättrige Pflanzen wachsen an Stengeln empor, aus denen sich Blätter zur Seite verzweigen, mal abwechselnd,


mal in Zweiergruppen


und mal in Quirlen.


Auch zusätzliche Zweige gibt es bei vielen Zweikeimblättrigen.


Blüten sitzen oft an der Spitze,


manchmal aber auch in den Blattachseln.


Wie man sieht, ist das Bild der Zweikeimblättrigen sehr vielfältig.

Typische Pflanzenfamilien

Typische Pflanzenfamilien der Zweikeimblättrigen sind beispielsweise:

Korbblütler mit der Kamille und der Ringelblume


Lippenblütler mit der Pfefferminze und dem Salbei


Doldenblütler mit dem Fenchel, aber auch dem giftigen Schierling


Nachtschattengewächse mit der Tomate und der giftigen Tollkirsche


Hahnenfußgewächse mit der Anemone und dem tödlich giftigen Eisenhut aber auch


Rosengewächse mit Rosen und vielen Obstbaumarten, z.B. Apfelbäumen.


Nach und nach werden wir die wichtigen Pflanzenfamilien kennenlernen. Die Kenntnis der Pflanzenfamilien gibt uns einen ganz neuen Blick auf die Pflanzenwelt. Man kann sie besser verstehen, selbst wenn man eine fremde Pflanze erst neu kennenlernt.


Heilpflanze: Minze - Pfefferminze

Die Heilpflanze, um die es heute geht, ist die Pfefferminze.

Die Pfefferminze ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Weil sie so aromatisch schmeckt, ist sie auch als Genusstee sehr beliebt. In vielen arabischen Ländern ist Minztee sogar eine Art Nationalgetränk.

Die Pfefferminze ist nur eine Art der Gattung der Minzen. Die meisten Minzen-Arten haben ein ähnliches Aroma und ähnliche Heilwirkungen, weshalb ich hier eigentlich eher über alle Minzen als nur über die Pfefferminze spreche.

Die Minzen gehören zur Familie der Lippenblütler. Sie sind also verwandt mit dem Rosmarin und dem Salbei.


Pflanzenbeschreibung

Minzen sind mehrjährige Pflanzen, die meistens etwa einen halben Meter hoch werden, manchmal auch noch etwas größer. Mehrjährig bedeutet bei den Minzen, dass sie jedes Jahr im Frühling wieder aus dem Boden wachsen, wenn sie sich im Garten an einer Stelle wohl fühlen.

Viele Minzearten sind in Europa heimisch und manche wachsen hierzulande sogar wild, beispielweise die Ackerminze und die Rossminze.

Wenn die Minze Platz hat, verzweigen sich die Stängel gerne zu den Seiten, dann können recht ansehnliche Pflanzen entstehen.

Die aromatisch duftenden Blätter sind eiförmig, meistens länglich und am Rand gesägt. Sie stehen gegenständig am Stängel.

Ab Juli blüht die Minze mit rosafarbenen kleinen Lippenblüten, die an den Spitzen der Stängel wachsen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Minze sind ätherische Öle.

Wirkungen

Sie sind auch hauptverantwortlich für die Wirkungen der Minze.

Die Minze wirkt:

  • antibakteriell,
  • beruhigend,
  • durchblutungsfördernd,
  • entzündungshemmend,
  • galletreibend,
  • krampflösend,
  • schmerzstillend,
  • stärkend,

Anwendungsgebiete

Aus den Wirkungen ergeben sich dann auch die vielfältigen Anwendungsgebiete.

  • Innerlich angewendet stärkt die Minze den Appetit und die Verdauung.
  • Auch die Gallentätigkeit wird gestärkt.
  • Bei Erkältung und Grippe kann man die Minze innerlich und äußerlich anwenden.
  • Gegen Kopfschmerzen und Migräne kann man das ätherische Öl für Einreibungen nutzen.
  • Auch Rückenschmerzen können durch Einreibungen mit Minzöl gelindert werden.

Das waren nur einige der wirklich vielen Anwendungsgebiete der Minze.

Anwendung

Wie aus dieser Auflistung schon hervorgeht, kann man die Minze innerlich und äußerlich anwenden.

Die häufigste innerliche Anwendungsweise ist der Tee.

Dazu kann man wahlweise frische oder getrocknete Minze nehmen.

Minzpflanzen im Topf bekommt man heutzutage fast das ganze Jahr über in Supermärkten und Baumärkten. Man kann sie auf ein helles Fensterbrett stellen und hat dann immer frische Minze zur Hand.

Auch Teebeutel kann man für einen Pfefferminztee nehmen. Die findet man sogar in jedem Supermarkt.

Bei den Teebeuteln im Handel gibt es, grob gesagt, zwei Klassen. Da ist zum Einen der Pfefferminztee als Haustee für den Alltagsgebrauch. Oft sind diese Teebeutel spottbillig, aber es gibt natürlich auch Luxusvarianten.

Dann gibt es auch noch Teebeutel für den medizinischen Gebrauch der Pfefferminze. Auf solchen Teebeuteln steht dann so etwas wie "Arzneitee". Man findet sie in Drogerien und Apotheken. Arzneitees werden im Vergleich zu den Haustees strenger kontrolliert. Sie müssen bestimmte Mindestmengen der wichtigsten Wirkstoffe enthalten und werden streng auf Schadstoffe, wie beispielsweise Pestizide kontrolliert. Meistens sind Arznei-Teebeutel auch in luftdichte Tütchen verpackt, damit das Aroma nicht so schnell verfliegt. Arzneitees aus der Apotheke sind oft noch hochwertiger als Arzneitees aus der Drogerie.

Wenn man einen Tee aus medizinischen Gründen trinkt, ist es also besser, wenn man einen Arzneitee verwendet. Aber wenn man nur den billigen Kräutertee aus dem Supermarkt zur Hand hat, ist der allemal besser als gar nichts.

Im Geruchsvergleich riecht der Arzneitee der Pfefferminze ganz erheblich stärker als der Haustee.

Zum Testen mache ich jetzt auch aus den beiden Teebeuteln jeweils einen Tee. Nach 10 Minuten Ziehzeit sieht der Haustee so aus und der Arzneitee sieht so aus. Der Haustee ist ein wenig dunkler geworden. Geschmacklich ist der Arzneitee deutlich besser und aromatischer als der Haustee.

Häufig wird die Pfefferminze in Teemischungen verwendet. Die Minze verhilft der Teemischung zu einem frischen Geschmack und passt wegen ihrer Vielseitigkeit auch oft zur gewünschten Wirkung der Teemischung.

Man kann die Pfefferminze auch als Tinktur ansetzen und dann bei Bedarf tropfenweise einnehmen, z.B. zur Stärkung der Verdauung.

Hinweis:
Übrigens verträgt nicht jeder die Minze. Für manche Menschen mit empfindlichen Magen ist die Minze zu intensiv. Aber den meisten Menschen bekommt die Minze gut.

Ätherisches Minzöl

Sehr beliebt und wirksam ist auch die Anwendung des ätherischen Öls der Minze. Im Handel bekommt man Minzöl meistens unter dem Namen "Japanisches Heilpflanzenöl". Ätherisches Minzöl wird übrigens meistens aus der Ackerminze gewonnen, denn die ist besonders ergiebig.

Bei Erkältungen kann man das Minzöl im Inhalator oder im Dampfbad einatmen. Oder man stellt einen Balsam damit her und reibt damit den Oberkörper ein.

Bei Kopfschmerzen kann man das ätherische Minzöl auf Schläfen und Stirn reiben und bei Nackenschmerzen kann man sich den Nacken und die Schultern damit einreiben. Auch bei Hexenschuss und Rückenschmerzen hilft eine Einreibung mit dem ätherischen Öl.

Allerdings ist das reine ätherische Öl sehr intensiv und kann die Haut reizen. Gegen dieses Problem hilft ein Einreibeöl, bei dem man ein normales Pflanzenöl mit ätherischem Minzöl mischt.

Das geht ganz einfach.

Für ein kleines Fläschchen mit intensivem Einreibeöl braucht man:

  • 7 ml Pflanzenöl
  • 3 ml ätherisches Minzöl

Für eine größere Menge Massageöl, das nicht ganz so intensiv ist braucht man:

  • 100 ml Pflanzenöl
  • 10-100 Tr ätherisches Minzöl, je nach gewünschter Intensivtät

Ich mache jetzt ein kleines Fläschchen Einreibeöl, das sich eignet, um Schläfen, Stirn und Nacken bei Kopfschmerzen, Migräne und Nackenverspannungen einzureiben. Man könnte es auch bei Muskel- und Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen und dergleichen verwenden.

  • Das Pflanzenöl gieße ich in eine kleine Flasche, bis sie zu etwa 2/3 gefüllt ist.
  • Dazu tropfe ich das ätherische Minzöl, bis die Flasche fast voll ist.
  • Dann drücke ich den Tropfer rein und verschließe die Flasche.
  • Nun gut schütteln, damit sich die beiden Öle vermischen.
  • Jetzt kann man das Einreibe-Öl benutzen.

Minze in der Küche

Die Minze wird auch gerne in der Küche verwendet.

Einige Cocktails werden mit Minze aromatisiert, z.B. Mojito und Hugo.

Im Essen findet man die Minze vor allem in der arabischen und exotischen Küche. Hier ist beispielsweise ein Taboulé-Salat, der erfrischt und gleichzeitig sättigt. Dieser Salat auf der Basis von Bulgur oder Couscous stammt aus der arabischen Küche. Traditionell wird er mit Minzblättern gewürzt.

Fazit

Wie Ihr seht, ist die Minze eine sehr vielseitige Heil- und Genusspflanze. Sie ist zu Recht eine der bekanntesten Heilpflanzen.


Anregung

Anregung für die Wartezeit bis zum nächsten Kurs-Video:

Eigentlich sind es heute gleich zwei Anregungen.

Schaut Euch um, welche Pflanzen ihr seht. Fragt Euch, ob sie wohl einkeimblättrige oder zweikeimblättrige Pflanzen sind. Wenn Ihr Euch irrt, macht das gar nichts, denn es geht hier vor allem darum, den Blick für die Pflanzen zu trainieren. Ihr werdet merken, dass Ihr anders hinschaut, wenn Ihr versucht die Zugehröigkeit der Pflanze einzuschätzen.

Ums Hinschauen geht es auch bei der zweiten Anregung, die die Minze betrifft. Schaut beim Einkaufen oder unterwegs, wo Ihr überall der Minze begegnet. Vielleicht könnt Ihr Euch auch etwas Minze anschaffen, sei es als Frischpflanze, als losen Tee oder im Teebeutel. Schmeckt einen Pfefferminztee, als hättet Ihr noch nie einen getrunken.

Soweit für heute.

Alles Gute bis zum nächsten Mal.

Dann geht es um Wirkstoffe.


Siehe auch:

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